Russland: Zweithöchste Abtreibungsrate weltweit

28. Oktober 2002, 18:47
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Angeblich enden 60 Prozent aller Schwangerschaften mit Abbruch

Moskau - Rund 60 Prozent aller Schwangerschaften in Russland enden nach ärztlichen Angaben in einer Abtreibung, weitere zehn Prozent führen infolge von Gesundheitsproblemen zu einer Fehlgeburt. Diese Zahlen gab der Vorsitzende des Wissenschaftlichen Instituts für Gynäkologie und Geburtshilfe, Wladimir Kulakow, am Freitag in Moskau bekannt, wie die Nachrichtenagentur Interfax berichtete.

Zweithöchste Abtreibungsrate

Russland steht damit nach Rumänien weltweit an zweiter Stelle, was die Höhe der Abtreibungen betrifft. Kulakow zufolge werden allein zehn Prozent dieser Eingriffe an Mädchen unter 18 Jahren vorgenommen. Dies sei darauf zurückzuführen, dass Verhütungsmittel in Russland nicht so häufig benutzt würden wie in westlichen Ländern. Von den rund 38 Millionen Frauen im gebärfähigen Alter seien etwa sechs Millionen unfruchtbar. Diese hohe Zahl gehe vermutlich vorrangig auf Abtreibungen zurück, sagte Kulakow.

Ernährungsprobleme durch Armut

Ein weiteres Problem sei, dass etwa die Hälfte der Schwangeren in Russland keine ausreichenden Nahrungsmittel oder Vitamine erhielten. Wohl hauptsächlich deshalb seien im vergangenen Jahr 58,8 Prozent aller Neugeborenen krank zur Welt gekommen. Ernährungsprogramme für werdende Mütter scheiterten in der Regel am fehlenden Geld, und aus demselben Grund kämen auch neue Techniken zur Verhinderung von Fehlgeburten nicht zum Einsatz.

Kindersterblichkeit geht zurück

Verbessert hat sich in den letzten Jahren die Kindersterblichkeit. Sie ging von 19,3 Todesfällen pro 1.000 Geburten 1993 auf 14,6 im vergangenen Jahr zurück, wie Larissa Gawrilowa vom Gesundheitsministerium laut Nachrichtenagentur Itar-Tass mitteilte. Gesunken ist demnach auch die Anzahl der Frauen, die bei der Geburt ihres Kindes starben. Sie verringerte sich von 50 Todesfällen pro 100.000 Geburten 1997 auf 36,5 Todesfälle im vergangenen Jahr. (APA)

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