Böses im Supermarkt, Mausi im Reihenhaus

19. Oktober 2002, 12:44
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Neue Bücher von Eva Rossmann und Elfriede Hammerl

Eva Rossmann hat ihren neuen Krimi den Heldinnen des Alltags, den Supermarktkassierinnen gewidmet. Mira Valensky, im Hauptberuf eigentlich Society-Klatschtante, offiziell Lifestyle-Ressort genannt, kann sich wie üblich nicht aus Schlamasseln aller Art heraushalten. Mira wird von einer Supermarkt-Kassierein angesprochen, die der Meinung ist, dass in ihrem Betrieb etwas faul sei. Die unscheinbare, schüchterne Grete darf nicht über den Überfall reden, der jüngst stattgefunden hat. Eine der Angestellten, Mitglied bei der Gewerkschaft, ist im Lager von umstürzenden Kisten beinahe erschlagen worden. Und dann wird im Lager ein Filialleiter erschossen, während die aufmüpfige Gewerkschafterin spurlos verschwindet. Mira wittert Unrat und klemmt sich hinter den Fall. Allerdings wäre sie ohne die Hilfe ihrer findigen und unerschrockenen Putzfrau Vesna wieder einmal aufgeschmissen. Vesna läßt sich als Regalschlichterin anstellen und erfährt so manches, was hinter den Kulissen vorgeht. Versteckt im Transporter entdecken Mira und Vesna, dass sich jemand ein hübsches Taschengeld damit verdient, tiefgekühltes Fleisch aufzutauen und dann als teureres Frischfleisch zu verkaufen. Rossmann gewinnt zunehmend an Krimi-Routine und Eigenprofil und die Einblicke in die alltägliche Arbeitswelt sind offenbar gut recherchiert.
Hammerls modernes Märchen spielt in einem Reihenhaus: hier wohnt Antonia, sie rackert bei einem Immobilienmakler, kümmert sich um die halbwüchsige Tochter - was ihr Exmann offenbar keineswegs zustandebringt - hält den Schwerenöter von Vater und seine wechselnden Freundinnen aus und ist auch noch ziemlich nett zu ihrer Schwester. Als Antonia eines Tages eine kitschige, hässliche Plüschmaus geschenkt wird, entpuppt sich das Vieh als verwunschene Prinzessin mit nicht geringen Standes-Allüren, aber mit Durchblick. Mausi kann sprechen - und hält mit ihrer Meinung besonders bezüglich ungeeigneter Lebenspartner nicht hinterm Berg. Marietta, Antonias Schwester macht zum Beispiel auf Weibchen und ist dem verheirateten Liebhaber stets zu Diensten. Die Hoffnung, er möge ihretwegen die Gattin sausenlassen, erfüllt sich natürlich nie. Antonia hingegen gibt sich mit Gelegenheitslovers zufrieden, schließlich ist die freie Zeit zwischen Job, Haushalt und Alleinerzieherin denkbar knapp. Es werden Archetypen weiblicher Daseinsformen vorgeführt, beziehungsweise jene Daseinsformen, die die moderne Gesellschaft den Frauen zugesteht und Mausi liefert dazu sarkastische Kommentare. Wär nicht schlecht, wenn jede Frau so ein Mausi hätte.(Von Ingeborg Sperl/DER STANDARD, Printausgabe, 19.10.2002)
Eva Rossmann, Kaltes Fleisch. EURO19.50/283 Seiten. Folio, Wien/Bozen 2002.

Elfriede Hammerl, Mausi oder Das Leben ist ungerecht. EURO 19,90/395 Seiten. Deuticke, Wien 2002.

Monika Wogrolly: Herzlos. 167 Seiten, euro...., Deuticke, Wien, Frankfurt a. Main 2002

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