Belgien: Innenminister ordnete Abschiebung einer Fünfjährigen an

19. Oktober 2002, 12:16
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Mädchen wurde nach Kongo zurück geschickt - Mutter lebt als Flüchtling in Kanada

Brüssel - Der belgische Innenminister Antoine Duquesne soll die Abschiebung eines fünfjährigen Mädchens in den Kongo selbst angeordnet haben. Das berichtete die flämische Zeitung "De Morgen" am Samstag. Das Kind war am Donnerstag nach Kinshasa ausgeflogen worden, obwohl dort nach Medienberichten keine Angehörigen auf sie warteten und die Mutter in Kanada, wo sie als anerkannter Flüchtling lebt, einen Antrag auf Familienzusammenführung gestellt hatte.

Der Verbleib der Fünfjährigen war am Samstag weiter unklar. "De Morgen" meldete unter Berufung auf die belgische Botschaft in Kinshasa, die Sekretärin eines hohen Beamten des kongolesischen Nachrichtendienstes habe das Mädchen aufgenommen. Die Zeitung "Gazet van Antwerpen" schrieb, die Botschaft selbst kümmere sich um das Kind. Die Nachrichtenagentur Belga berichtete unterdessen, nach Angaben der belgischen Ausländerbehörde sollte ein junger Neffe die Fünfjährige im Kongo in Empfang nehmen.

Prüfung

Inzwischen beschäftigt das Schicksal der kleinen Tabita Mubilanzila auch die Regierungschefs von Belgien, Guy Verhofstadt, und Kanada, Jean Chretien. Verhofstadt habe den Fall am Rande des Gipfels der frankophonen Welt in der libanesischen Hauptstadt Beirut mit Chretien besprochen, sagte ein Sprecher des belgischen Ministerpräsidenten. Chretien habe bei dem Treffen zugesagt, alle Möglichkeiten einer Familienzusammenführung prüfen zu lassen.

Die Fünfjährige war am 18. August in Begleitung eines Onkels, der in den Niederlanden lebt, auf dem Brüsseler Flughafen Zaventem angekommen. Weil sie keine gültigen Papiere besaß, wurde sie seither in einem geschlossenen Transitzentrum festgehalten. Die Abschiebung am Donnerstag sei die "am wenigsten schlechte Lösung" gewesen, sagte eine Sprecherin der Ausländerbehörde der "Gazet van Antwerpen". (APA/dpa)

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