Deutsche Wirtschaftsforscher korrigieren Prognosen nach unten

19. Oktober 2002, 11:42
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Wegen Steuererhöhungen und Einsparungen durch neue Regierung - Nur noch 1,4 Prozent Wachstum 2003

Berlin - Die sechs führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute werden nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters in ihrem Herbstgutachten ihre Wachstumsprognosen für Deutschland drastisch zurücknehmen. Auf Grund der Koalitionsvereinbarungen über Steuererhöhungen und zusätzliche Einsparungen gehe die Mehrzahl der Institute für 2003 nur noch von einem Wachstum von 1,4 Prozent aus, erfuhr Reuters am Samstag aus Institutskreisen.

Ein einzelnes Institut werde eine abweichende Einschätzung abgeben. Die Forscher dieses Instituts rechneten sogar nur mit einem Zuwachs von 0,9 Prozent im kommenden Jahr. Für das laufende Jahr werde sich eine größere Wachstumsbeschleunigung nicht mehr einstellen. Die Institute gingen für 2002 nur noch von einem Wachstum von 0,4 Prozent aus.

Unerwartet schwach

Im Frühjahr hatten die sechs Institute, die ihr Gutachten offiziell am Dienstag vorstellen wollen, noch eine Wachstumsrate von 2,4 Prozent im nächsten und 0,9 Prozent im laufenden Jahr vorhergesagt. Für die Regierung gilt immer noch die offizielle Wachstumsschätzung von rund 0,75 Prozent in diesem und 2,5 Prozent im nächsten Jahr. Allerdings war in Kreisen des Finanzministeriums in den vergangenen Wochen bereits von nur noch 0,5 Prozent Zuwachs in diesem und 1,5 Prozent im nächsten Jahr die Rede.

Die unerwartet schwache Wirtschaftsentwicklung ist nach Darstellung von Finanzminister Hans Eichel (SPD) auch der Hauptgrund dafür, dass Deutschland 2002 wahrscheinlich die europäische Defizitgrenze beim Staatshaushalt von drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts überschreiten wird. Zudem hat Eichel bereits signalisiert, dass er einen Nachtragshaushalt für dieses Jahr vorlegen muss. (APA/Reuters)

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