Radikaler Muslimführer festgenommen

19. Oktober 2002, 15:13
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Australien warnt vor Anschlägen in Jakarta - Verteidigungs- minister zieht Verbindung zu El Kaida

Solo/Indonesien - Die indonesische Polizei hat am Samstag den geistlichen Anführer der extremistischen Muslimorganisation Jemaah Islamiyah festgenommen. Ihm wird Verwicklung in Anschläge auf christliche Kirchen vor zwei Jahren vorgeworfen. Der 64-jährige Abu Bakar Bashir und seine radikalislamische Organisation waren als mögliche Beteiligte an dem Terroranschlag auf Bali genannt worden, der mindestens 183 Menschen in den Tod riss. Bashir hat alle Vorwürfe zurückgewiesen.

Verteidigungsminister Matori Abdul Djalil erklärte am Samstag, Bashir stehe mit dem Terrornetzwerk El Kaida in Verbindung. Sein unter dem Namen Hambali bekannter Adjutant stecke hinter zahlreichen Bombenanschlägen in Indonesien. Es sei logisch zu glauben, dass Hambali bei der Planung der Anschläge auf Bali geholfen und dass Bashir davon gewusst habe. Hambali ist eine der meist gesuchten Personen in der Region. "El Kaida und ihr internes Netzwerk stehen hinter diesem Anschlag auf Bali", sagte Matori in einer Pressekonferenz in Bali.

Mit Atembeschwerden im Krankenhaus

Der Kleriker befindet sich seit Freitag wegen Atembeschwerden in einem Krankenhaus in seiner Heimatstadt Solo und wurde dort am Samstag unter Polizeiüberwachung gestellt, wie die Behörden mitteilten. Bei dem Anschlag auf die Kirche, der Bashir jetzt zur Last gelegt wird, starben vor zwei Jahren 19 Menschen. Vor dem Krankenhaus, in dem der Muslimführer behandelt wird, zogen am Samstag Polizisten auf, um eventuelle Ausschreitungen seiner Anhäger abzuwehren.

Nur wenige Stunden vor der Festnahme hatte die indonesische Regierung Notstandsmaßnahmen zur Terrorbekämpfung beschlossen. Justizminister Yusril Izha Mahendra kündigte dies in der Nacht zum Samstag (Ortszeit) neun Stunden später an, als ursprünglich erwartet worden war. Als Grund nannte er lange Diskussionen im Kabinett sowie technische Verzögerungen. In dem Anti-Terror-Erlass werden unter anderem die Bedingungen für die Inhaftierung von Verdächtigen gelockert. Wer Anschläge androht oder sich daran beteiligt, muss mit einem Strafmaß zwischen vier Jahren Haft und der Hinrichtung rechnen.

Australien warnt vor Anschlägen

Die australische Regierung warnte Samstag vor Anschlägen in Jakarta und forderte erneut ihre Bürger eindringlich auf, Indonesien zu verlassen. In einer Reisewarnung des Außenministeriums hieß es, belebte Gegenden in der Hauptstadt, vor allem von westlichen Besuchern gerne frequentierte Unterhaltungsbezirke, sollten unbedingt gemieden werden. Außenminister Alexander Downer sagte, der Geheimdienst habe von Bombendrohungen in Stadtteilen berichtet, in denen westliche Ausländer lebten.

Für den Fall der Verhaftung radikalislamischer und extremistischer Führer müsse mit einer "heftigen Reaktion ihrer Anhänger, einschließlich möglicher Demonstrationen" gerechnet werden, hieß es weiter. Auch die britische Regierung warnte ihre Bürger vor Anschlägen in der Region.

Unterdessen wurde die erste Leiche eines der australischen Opfer in die Heimat zurückgebracht. Der in die Landesfahne gehüllte Sarg traf am Samstag in Adelaide ein. Bei der Toten handelt es sich um Angela Golotta, die am vergangenen Donnerstag 20 geworden wäre. Nach offiziellen Angaben wurden bei dem Anschlag 103 Australier getötet oder gelten noch als vermisst. (APA/AP)

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    Abu Bakar Bashir im Krankenhaus

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