Südkorea drängt Norden zur Einstellung des Atomwaffenprogramms

19. Oktober 2002, 10:31
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Delegation reist nach Pjöngjang - "Lage ist nicht gut" - Japan verbindet Normalisierung der Beziehungen mit Nuklearstreit

Seoul - Der südkoreanische Vereinigungsminister Jeong Se Hyun will am Samstag bei einem Besuch im Norden des Landes auf eine Einstellung des Atomwaffenprogramms dringen. "Angesichts der Tatsache, dass (Nordkoreas) Atomprogramm die Wurzel der Sorgen und Angst unserer Nation ist, werden wir diese Angelegenheit deutlich zum Ausdruck bringen", sagte der Minister unmittelbar vor der Abreise nach Nordkorea. Die Reise der südkoreanischen Delegation unter Jeongs Leitung war bereits geplant, bevor am Mittwoch aus US-Regierungskreisen verlautete, Nordkorea habe mehrere Jahre lang ein geheimes Atomwaffenprogramm betrieben.

"Die Lage ist nicht gut", sagte Jeong. "Zu einem solchen Zeitpunkt brauchen wir den Dialog." Er wolle ergründen, ob Nordkorea Dialog oder Konfrontation wolle. Nordkorea hatte sich 1994 in einem Abkommen mit den USA zur Aussetzung seines Atomwaffenprogramms verpflichtet. Im Gegenzug war dem Land die Finanzierung und der Bau zweier Atomreaktoren zur friedlichen Nutzung zugesagt worden. Nordkorea hat sich zu den US-Vorwürfen bisher nicht geäußert.

Dialog das beste Mittel

Südkorea hatte auf die Washingtoner Enthüllung vom Mittwoch mit der Erklärung reagiert, Dialog sei das beste Mittel, um mit Besorgnis und Gefährdung durch den einerseits hochgerüsteten, andererseits wirtschaftlich total verarmten Nachbarn umzugehen. Die beiden koreanischen Staaten steuern seit August einen Kurs des Dialogs und der Annäherung. Korea ist seit dem Korea-Krieg von 1950 bis 1953 geteilt. Die US-Vorwürfe haben in Südkorea die Erwartungen einer weiteren Annäherung durch den Besuch der südkoreanischen Delegation gedämpft.

Der japanische Ministerpräsident Junichiro Koizumi sagte unterdessen, die Gespräche über die Aufnahme diplomatischer Beziehungen könnten an dem nordkoreanischen Atomprogramm scheitern. "Solange sich Nordkorea nicht an Vereinbarungen und Verträge hält, werden die Normalisierungsgespräche nicht vorankommen", wurde er von der japanischen Zeitung "Mainichi" zitiert.

Unterdessen beendeten der US-Sondergesandte James Kelly und der US-Waffenkontroll-Beauftragte John Bolton ihren Besuch in Peking. Über Ergebnisse ihrer Gespräche mit der chinesischen Regierung wurde zunächst nichts bekannt. Sie wollten die chinesische Führung auffordern, Druck auf Pjöngjang auszuüben, damit es sein Atomwaffenprogramm einstellt. Nach Angaben des US-Außenamts sollte Kelly am Samstag nach Südkorea und am Sonntag nach Japan weiterreisen, um dort unter anderem über die neue Krise mit Pjöngjang zu beraten. (APA/Reuters/AP)

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