USA betrachten Atom-Vereinbarung mit Nordkorea als beendet

21. Oktober 2002, 11:46
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US- Regierung will nun mit Verbündeten Antwort auf Nordkoreas Atomprogramm suchen

Washington - Die USA wollen nach den Worten von Außenminister Colin Powell in Abstimmung mit ihren Verbündeten auf die Verletzung eines mit Nordkorea geschlossenen Abkommens über die Aussetzung dessen Atomwaffenprogramms reagieren. Powell betonte am Sonntag in einer Reihe von Fernsehinterviews, das 1994 geschlossene Abkommen sei faktisch hinfällig. Powell hatte zuvor gesagt, die USA hätten derzeit nicht die Absicht, militärisch gegen Nordkorea vorzugehen.

Nach US-Angaben hat Nordkorea bei bilateralen Gesprächen in Pjöngjang Anfang Oktober eingeräumt, mehrere Jahre lang ein geheimes Atomwaffenprogramm entwickelt zu haben, obwohl dies durch die Vereinbarung ausgeschlossen sein sollte. Nordkorea hat sich zu dem Vorwurf bislang nicht geäußert.

USA: "Schritt für Schritt mit Freunden"

"Wir werden nun handeln, Schritt für Schritt, nachdem wir die Möglichkeit genutzt haben, unsere Freunde und Alliierten zu konsultieren", antwortete Powell auf die Frage, ob die USA ihre in dem Vertrag mit Nordkorea zugesagte finanzielle Unterstützung nun fallen lassen würden. Die USA hatten Nordkorea in dem Abkommen die Finanzierung und den Bau zweier Atomreaktoren zur friedlichen Kernenergie-Nutzung zugesagt. Powell fügte hinzu, es stehe derzeit nicht zur Debatte, neue wirtschaftliche Sanktionen gegen Nordkorea zu verhängen.

Die Nordkorea-Frage solle unter anderem mit Südkorea, Japan, Russland und China erörtert werden, fügte Powell hinzu. Das nordkoreanische Atomwaffenprogramm solle auch auf einem Gipfel der asiatisch-pazifischen Länder am kommenden Wochenende in Mexiko thematisiert werden.

Powell: "Abkommen ungültig"

Vertreter Nordkoreas hätten das Abkommen bereits bei den Gesprächen im Oktober für Null und nichtig erklärt, fügte Powell hinzu. "Ein Abkommen zwischen zwei Seiten, von dem die eine Seite erklärt, es seiungültig, macht es zu einem ungültigen Abkommen", sagte Powell.

Der Vorsitzende des Geheimdienst-Ausschusses des US-Senats, der Demokrat Robert Graham, sagte, von Nordkorea gehe eine größere Bedrohung aus als von Irak. Die jüngsten Entwicklungen unterstrichen die Notwendigkeit, einen neuen außenpolitischen Kurs einzuschlagen. Derzeit konzentriere man sich zu sehr auf die Abrüstung des Iraks. (APA/Reuters)

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