Telecom Italia fährt Telekom Austria-Anteil in nächsten Wochen herunter

18. Oktober 2002, 23:01
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Dividende frühestens 2004 - "Geschäft läuft 2002 nach Plan" - Grundlegende Veränderung der Regulierungspolitik gefordert

Die Telecom Italia (TI), die derzeit noch 29,8 Prozent an der börsenotierten Telekom Austria hält, wird ihren Anteil am österreichischen Ex-Monopolisten noch heuer reduzieren. Die Italiener würden "in den nächsten Wochen" bis zu 15 Prozent ihres Anteils an der TA verkaufen, sagte TA-Generaldirektor Heinz Sundt auf der Gewinn-Messe.

Abmachungen

Über die Art und Weise der Anteilsreduktion würden derzeit "intensive Gespräche" laufen. Dass das TI-Paket nicht "in einem Schlag auf Null" reduziert werde, liege "in der Natur der Sache", bemerkte Sundt. Grundsätzlich habe sich aber an der vor einem Jahr geäußerten Absicht der TI, sich aus Österreich zurückzuziehen, bis heute nichts geändert. Daher sei auf jeden Fall mit einer weiteren Transaktion zu rechnen.

Erwartungen

Sundt geht weiter davon aus, dass nach dem schrittweisen Rückzug des bisherigen italienischen Partners der bestehende "Overhang" an Aktien im Markt reduziert werde und die Transaktion im Kurs der Aktie reflektiert werde. Den ersten Schritt des Rückzugs aus Österreich hatten die Italiener bereits Anfang Juni 2002 mit dem Verkauf ihres Viertelpakets an der TA-Mobilfunktochter Mobilkom Austria gesetzt.

Divende erst ab 2004

Die TA-Aktionäre könnten indes erst 2004 für das Jahr 2003 mit einer Dividende rechnen, bestätigte Sundt heute dementsprechende frühere Ankündigungen. Die TA habe zwar die Absicht, 2004 eine Dividende auszuzahlen, werde das aber "nicht unter Aufgabe von strategischen Geschäftszielen tun".

Vorang

Wenn es interessante Akquisitionsmöglichkeiten im Ausland gebe, werde man dieses Interesse nicht der Dividende unterordnen. Die TA sei aber weiterhin entschlossen, eine maßvolle Akquisitionspolitik zu fahren.

Geplante Zukäufe

Konkret wolle die TA im Mobilfunkbereich in Bosnien, Serbien und Montenegro zukaufen, dort beobachte man derzeit die Märkte, so Sundt. Im Festnetzbereich seien hingegen derzeit keine Akquisitionen geplant.

Geschäftsentwicklung im Plan

Die Geschäftsentwicklung der Telekom Austria (TA) bewege sich im laufenden Geschäftsjahr 2002 im Plan, sagte Sundt weiter. Das dritte Quartal 2002 habe sich ähnlich den ersten beiden Quartalen entwickelt. Sundt geht davon aus, dass das für 2002 angepeilte Ziel von 1,5 Milliarden Euro beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) erreicht werden kann.

Wachstum

Die Telekom-Branche sieht Sundt weiterhin als "Wachstumsbranche". Auch künftig würden Technologie- und Investitionsschübe passieren. Die TA befinde sich angesichts ihres Wachstumskurses in einer "soliden" Position.

Kritik

Kritik übte Sundt allerdings am bisherigen Regulierungskurs. Auf Grund des Ziels des bisherigen Regulators, möglichst schnell Wettbewerb in den Markt zu bringen, habe die TA keine Zeit gehabt, sich auf den Wettbewerb vorzubereiten. Die TA sei gezwungen worden, ihre Infrastruktur dem Mitbewerb zu nicht kostendeckenden Tarifen zur Verfügung zu stellen und habe in Folge die Investitionen zurückgenommen. Sollte der bisherige Regulierungskurs weitergeführt werden, werde Österreich technologisch in einigen Jahren nicht mehr unter den führenden Ländern sein.

Veränderungen gefordert

"Die Regulierungspolitik ist in ihrer Gesamtheit zu verändern", wünscht sich Sundt in Hinblick auf die kürzlich erfolgte Neubesetzung des obersten Telekom-Regulatorpostens. Auf den neuen Telekom-Regulator und bisherigen Unternehmensberater Georg Serentschy angesprochen, meinte Sundt, Serentschy sei ein "profunder Fachmann", der "die Voraussetzungen dieses Jobs erfüllt". Er wehre sich aber "entschieden dagegen, dass Serentschy ein Wunschkandidat der TA" sei, wie in der Branche kolportiert. Er erwarte auch nicht, dass Serentschy künftig als Anhängsel der TA funktionieren werden.

UMTS-Investitionen

Hinsichtlich der dritten Mobilfunkgeneration UMTS (Universal Mobile Telecommunications System) wolle die TA möglichst früh auf den Mark gehen, denn: "Jener wird am besten abschneiden, der UMTS am frühesten implementiert", so Sundt. Allerdings sei UMTS nicht einfach an den Konsumenten zu bringen, da die so genannte Killerapplikation fehle. Die TA werde in den nächsten 10 Jahren 640 Millionen Euro in die UMTS-Technolgie investieren. (APA)

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