Die Hochburgen

26. August 2003, 19:13
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Wo Urbanität und Grün zu Hause sind - Spezielles Konglomerat Neubau - Mit Grafik

Neubau - Der erste Baum? Der kommt erst nächstes Jahr. Da kann Thomas Blimlinger endlich seinen allerersten Baum pflanzen - und damit nach eineinhalb Jahren als Grüner Bezirksvorsteher ein bisschen mehr Grün nach Wien-Neubau bringen. Denn dass der siebente Wiener Bezirk zu wenig Grünzeug, dafür aber zu viele Autos zu bieten hat, war wohl ein Grund, warum sich Neubau als grüne Hochburg etabliert hat, glaubt Blimlinger: 20,1 Prozent wählten bei der letzten Nationalratswahl die Grünen. Bei der Wiener Wahl 2001 waren es dann 32,5 Prozent, die Grün wählten und damit den 45-jährigen Trafikanten Blimlinger zum ersten grünen Bezirkschef kürten.

Es sind nicht nur die wenigsten Bäume, die Neubau besonders machen. Die 30.000 Bewohner des kleinen Wiener Bezirks zwischen Museumsquartier, Mariahilfer Straße und Gürtel sind ein ganz spezielles Konglomerat: Überalterung findet anderswo in Wien statt, aber nicht in Neubau - die Mehrheit der Bewohner ist zwischen 30 und 45 Jahren alt, viele davon sind Singles. Jeder Fünfte im (Ex)studentenbezirk ist Akademiker, 20 Prozent sind Migranten. Die Neubauer verdienen mehr als die übrigen Wiener - etwa in den 65 Architekturbüros oder den 70 Psychotherapiepraxen. Und die Neubauer halten den Rekord bei der Lokaldichte pro Kopf: 400 bis 500, je nach Zählweise, Beiseln, Gasthäuser und Szenelokale drängen sich in den engen Gassen des Bezirks. Und noch einen Rekord bietet Neubau: Nirgendwo in Wien gibt es mehr Hanfgeschäfte.

Das hat aber, versichert Blimlinger eilig, überhaupt nichts mit den Grünen zu tun (nur keine kontroversen Diskussionen im Wahlkampf auslösen). Um Cannabisgeschäfte hat er sich in seiner Amtszeit als Bezirksvorsteher nicht bemüht - dafür um "Sachen, die von urbanen Grünen erwartet werden": Dass die Straßenbahn wieder nachts fährt. Dass die Sperrstunde sommers nach hinten verlegt wird. Dass ein Park geplant wird - damit die grüne Hochburg grüner wird. (Eva Linsinger/DER STANDARD, Printausgabe, 19/20.10.2002)

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