Wieder Verspätung für Lainzer Tunnel

18. Oktober 2002, 19:43
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Bau der Tunnelverbindung zwischen West- und Südbahn verzögert sich um mindestens ein halbes Jahr - Baulichen Brandschutz wird überprüft...

Wien - Drei Bescheide für das Projekt Lainzer Tunnel zwischen Süd- und Westbahn waren vom Höchstgericht aufgehoben worden - jetzt sind alle Abschnitte eisenbahnrechtlich neu verhandelt. Aber das heißt noch lange nicht, dass bald mit einem Bescheid zu rechnen ist. Oder dass die Bauarbeiten fortgeführt oder begonnen werden können.

"Uns wurde vom Ministerium signalisiert, dass heuer nicht mehr mit dem Bescheid für den Verbindungstunnel (also den Hauptstollen) zu rechnen ist", erklärte Norbert Ostermann, Lainzer-Tunnel-Projektleiter bei der HL-AG am Freitag. "Die Anbindung zur Donauländebahn ist ebenfalls blockiert."

Baubeginn 2003

Das heißt: Beim Bau des Lainzer Tunnels geht wieder einmal mindestens ein halbes Jahr verloren. "Der Baubeginn für den Verbindungstunnel rutscht vom Herbst 2003 zweifelsohne nach 2004. Mit der Fertigstellung sind wir jetzt im Jahr 2011", rechnet Ostermann. Zur Erinnerung: Das Urprojekt des Verbindungstunnels sollte eigentlich bereits 1995 fertig sein - zum Beginn der damals noch geplanten Weltausstellung.

Ursache für die neuerliche Verzögerung: Bei den jüngsten Verhandlungen waren wieder Bedenken gegen den baulichen Brandschutz des Projektes eingebracht worden. Grundlage dafür ist ein Privatgutachten von Ulrich Schneider, Vorstand des Instituts für Baustofflehre, Bauphysik und Brandtechnik an der TU-Wien. Demnach werde infrage gestellt, ob der bauliche Brandschutz des Tunnels dem Stand der Technik und der Wissenschaft entspreche. Dabei gehe es um die Fragen Doppelgleisröhre mit zahlreichen Weichen, Begegnungs-und Mischverkehr, Streckengefälle zur Tunnelmitte oder geringe Überdeckung unter Wohngebieten, so die Anrainerbedenken.

"Es könnte sein, dass die Behörde dazu noch einmal eine Verhandlung durchführt und dieses Thema ein für allemal korrekt abschließt", meint Ostermann. Er gibt aber auch zu bedenken: "Die Frage ist, bis zu welchem Grad man Unfälle in der Planung berücksichtigen kann - und ab wann man überhaupt nichts mehr bauen kann. Es gibt leider Horrorszenarien, die einfach nicht mehr beherrschbar sind. Aber was wäre, wenn ein ähnlicher Worst Case bei der bestehenden Strecke auf der Verbindungsbahn passieren würde - mitten im Wohngebiet? Was wäre, wenn ein brennender Kesselwagen auf die U4 stürzen würde?"

Wiener Lärmschutz

Umweltstadträtin Isabella Kossina und ÖBB-Planungschef Thomas Türinger präsentierten am Freitag indes neue Lärmschutzprojekte für Wien: Entlang der Westbahn wurde in Penzing bereits eine 400 Meter lange Wand errichtet, sieben weitere Projekte sollen in den nächsten Monaten folgen, so Türinger: im Bereich der Westbahn, der Südbahn, der Schnellbahn-Stammstrecke und der Nordbahn im Bereich Leopoldau. (frei, DER STANDARD Printausgabe 19/20.10.2002)

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