Weiterlernen in der Babypause

18. Oktober 2002, 19:36
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Fit für Wiedereinstieg mit AK-Bildungsscheck

Was macht eigentlich die Rückkehr in den Job nach einer Babypause so schwer? Bettina F., Sekretärin, klinkte sich nach der Geburt ihrer Tochter zwei Jahre lang aus. "Bei meiner Rückkehr saß erstens eine sehr gute Kraft als Karenzvertretung auf meinem Sessel, die mein Arbeitgeber nicht verlieren wollte. Ich selbst wollte nicht gleich ganztags einsteigen, was für die Firma nicht so leicht war. Und dann hatten sie in der Zwischenzeit auch alle Computerprogramme umgestellt. Das hieß für mich, kräftig nachlernen", beschreibt Bettina ihre Rückkehrprobleme.

Outlook und Internet

Andere Frauen müssen nach der Elternkarenz gleich bei einem neuen Arbeitgeber anfangen. Auf die Frage "Und was haben Sie in den letzten zwei Jahren gemacht?" müssten die meisten ehrlich antworten: "Windeln gewechselt, gekocht und die Entwicklung meines Kindes unterstützt." Nicht gerade Tätigkeiten, die am Arbeitsmarkt häufig nachgefragt werden.

Wenig verwunderlich also, dass die Kurse "EDV-Grundkenntnisse", "Schriftverkehr", "Outlook" und "Internet", "PC im Büro" sowie "Powerpoint" besonders gefragt sind. Zur Finanzierung dieser Weiterbildung nützt in Wien inzwischen jede fünfte Frau (auch einzelne Männer) in Elternkarenz den AK-Bildungsscheck. Der Bildungsgutschein für Karenzierte ist nämlich höher, 150 Euro statt 100 wie für alle anderen AK-Mitglieder, und der Großteil der Kurse wird mit kostenloser Kinderbetreuung angeboten.

"Der Bildungscheck hat auch allgemein eine Steigerung des Interesses an Weiterbildung gebracht", sagt Arthur Ficzko, Bildungsverantwortlicher der AK-Wien. "Noch gibt es keine Bilanz des ersten Jahres, dennoch zeigt sich deutlich, was auch die Evaluierung in Kärnten ergab, wo es den Bildungsscheck schon seit dem Jahr 2000 gibt: 30 Prozent nehmen erstmals seit ihrer Schulzeit Weiterbildung in Anspruch", resümiert Ficzko. Von den rund 620.000 AK-Mitgliedern in Wien haben 21.000 einen Bildungsgutschein angefordert.

Unter 1500 verschiedenen Kursen von Arbeiterkammer, bfi oder Volkshochschulen kann ausgewählt werden. Auch bei privaten Schulungsanbietern kann der Bildungsscheck eingelöst werden. EDV, Internet und elektronische Datenverarbeitung sind österreichweit Schwerpunkt. Besonders nachgefragt sind "Bausteine zum beruflichen Erfolg" - von der Berufsorientierung bis zur Vorbereitung auf die Berufsreifeprüfung.

In einigen Bundesländern sind Sprachkurse ein eigener Schwerpunkt, in Wien ausschließlich berufsbezogene Sprachkenntnisse. 2003 werden die Sprachen einiger Nachbarländer, etwa Ungarisch, Tschechisch, und Kroatisch dazukommen.

(Astrid Zimmermann - DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 19./20.10.2002)

Infos: 0800/31 13 11

Link

www.ak-wein.at

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