Kopf des Tages: Yusuf Islam, vormals als Cat Stevens weltberühmt ...

18. Oktober 2002, 19:38
1 Posting

Vom Popstar zum Mann des Glaubens

Am ehesten begegnet man Yusuf Islam in unserem Kulturkreis derzeit noch als Cat Stevens in der TV-Werbung. Seine alten Hits werden schließlich zur Verkaufsförderung von Biolebensmitteln oder Beuteltee eingesetzt. So ist aus Father And Son, seinem wohl bekanntesten Hit aus den späten 60er- und frühen 70er-Jahren, ein Klassiker der Wickie, Slime & Paiper-Spaßgesellschaft geworden: "Wenn der Teekessel singt . . ."

Man kann es sich heute ja gar nicht mehr richtig vorstellen: Aber Yusuf Islam, der am Freitag in Graz gemeinsam mit dem Dalai-Lama und Vertretern anderer großer Weltreligionen im Rahmen des buddhistischen Kalachakra 2002 bei der interreligiösen Begegnung Frieden in der Welt teilgenommen hat und heute, Samstag, im Islamischen Zentrum in Wien einen Vortrag hält, war einmal ein Weltstar.

Bevor er nach zwölf Alben und gut zwei Hand voll Welthits 1977 zum Islam übertrat und sich 1979 ganz von der Popmusik und deren sündigem Lebensstil abwandte (er war unter anderem mit Jimi Hendrix auf Tournee), zählte er als Cat Stevens zu den erfolgreichsten Songwritern seiner Generation.

Neben Morning Has Broken und Peace Train, (Remember The Days Of The) Old School-yard oder Here Comes My Baby und Moon Shadow hatte der 1947 in London als Steven Demetre Georgiou geborene Sohn eines griechischen Restaurantbesitzers und einer schwedischen Mutter dabei auch immer wieder in seinen Songs nach spiritueller Erleuchtung gesucht. Davon zeugt ein Album aus dem Jahr 1974: Buddha And The Choco- late Box mit Liedern wie Jesus oder Home In The Sky.

Dass sich Cat Stevens, der sich auch aufgrund einer schweren Tuberkuloseerkrankung immer schon für die letzten Fragen interessierte, gerade dem Islam zuwandte, beruht auf einem Zufall. Sein Bruder hatte ihm eine Ausgabe des Koran geliehen. Er war davon derart begeistert, dass er schließlich all seinen weltlichen Besitz verkaufte und damit die bis heute von London aus aktive islamische Non-Profit-Organisation Mountain of Light aufbaute.

Diese vertreibt nicht nur pädagogisch ausgerichtete Bücher wie Islamic Plays for Children. Seit 1995 sind auch wieder von ihm selbst besungene, streng religiös ausgerichtete Tonträger wie A is for Allah erhältlich, deren Erlöse teilweise auch afghanischen Flüchtlingen zukommen.

Nachdem Yusuf Islam, der heute mit Frau und fünf Kindern in Nordlondon lebt, 1989 für Schlagzeilen gesorgt hatte, weil er die Fatwah gegen Salman Rushdie guthieß, was in den USA zu öffentlichen Plattenverbrennungen (!) und zu einem Radioboykott führte, setzt er sich inzwischen für den Dialog ein. Wie sang er einst als Cat Stevens: "Why must we go on hating, why can't we live in bliss?" (Christian Schachinger/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19./20. 10. 2002)

  • Artikelbild
    grafik: der standard
Share if you care.