Zukunft fern der Traditionen

21. Oktober 2002, 11:01
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Der Europäische Sozialfonds setzt Schwerpunkte in der Frauenförderung

Maria Maier ist gelernte Damenschneiderin. Vor einem Jahr ging die Firma, in der sie beschäftigt war, in Konkurs, sie wurde mit 47 Jahren arbeitslos, fand nicht einmal als Hilfsarbeiterin mehr einen Job. Heute steht Maier mitten in der Ausbildung zur Spannungstechnikerin - unterstützt durch das steirische Ausbildungszentrum Prisma, das vom Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert wird. "Es ist zwar etwas komplett Neues, aber damit habe ich wieder die Chance, qualifizierte Arbeit in der Region zu finden - sonst hätte ich nur mehr von der Notstandshilfe leben können", sagt sie.

Wie Maria Maier wurden seit 2000 insgesamt 34.770 Frauen in Österreich durch eines der bisher 1168 ESF-kofinanzierten Projekte gefördert. Von 2000 bis 2006 stellt der Europäische Sozialfonds rund 65 Millionen Euro für konkrete Projekte und Maßnahmen zur Förderung von Frauen am Arbeitsmarkt bereit. Inklusive Mitteln des Bundes sind es insgesamt rund 140 Millionen Euro.

Aufstieg erleichtern

"Mit den geförderten Maßnahmen will der ESF dazu beitragen, Frauen in zukunftsträchtige und nicht traditionelle Berufe zu bringen und ihre Aufstiegschancen zu erhöhen", sagt Brigitte Hellerschmid vom Arbeitsmarktservice (AMS), das gemeinsam mit dem Wirtschaftsministerium für die Umsetzung des ESF-Frauenschwerpunkts zuständig ist. Die Projekte reichen dabei von Ausbildung über Beratung und Berufsorientierung bis zu Beschäftigungsprojekten und Trainings. Branchenmäßig konzentrieren sie sich stark auf den IT-Bereich, weil dieser unter anderem ein breites Spektrum an neuen Berufen bietet. Bei allen Aktivitäten wird außerdem auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie geachtet.

Neben der spezifischen Projektförderung von Frauen am Arbeitsmarkt bemüht sich der ESF auch allgemein um Chancenerhöhung für Frauen: Gemäß dem Gender-Mainstreaming-Grundsatz soll unter anderem eine entsprechende Beteiligung von Frauen an sämtlichen Maßnahmen aller ESF-Schwerpunkte sichergestellt werden. Die eigens eingerichtete Koordinationsstelle GEM soll informieren, vernetzen und beraten. Das ESF-Programm "Equal" beschäftigt sich darüber hinaus speziell mit der Bekämpfung von Diskriminierung und Ungleichbehandlung am Arbeitsmarkt.

(DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 19./20.10.2002)

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