Bush-Politik ist "ein Rezept für Desaster"

18. Oktober 2002, 19:40
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Kolumnist William Pfaff über US-Kriegspläne

Wien - "Die Bush-Regierung ersetzt die Fakten durch eine virtuelle Realität." Mit diesen Worten beschrieb William Pfaff, prominenter außenpolitischer Kolumnist der International Herald Tribune die US-Außenpolitik nach dem 11. September in einem Vortrag an der Diplomatischen Akademie in Wien. Der von Bush ausgerufene Krieg gegen den Terror hätte zwar Afghanistan von den Taliban befreit, aber die Terrorgefahr nicht verringert. Denn Terrorismus ließe sich nicht durch militärische Mittel bekämpfen. Dies sei auch der Hauptfehler der israelischen Politik gegenüber den Palästinensern, so Pfaff: "Die USA haben von Israel die falschen Lektionen gelernt."

Ein Krieg gegen den Irak würde das Terrorproblem verschlimmern, warnt Pfaff. Hinter diesen Plänen stehe die Fantasie, dass die USA alle Staaten im Nahen Osten und Zentralasien von ihren Tyrannen befreien könnten, so wie Europa und Japan nach 1945. Doch das würde selbst den mächtigsten Staat der Erde überfordern. Pfaff: "Es ist ein Rezept für ein Desaster."

Erschreckend sei auch die neue US-Sicherheitsdoktrin, die die Sicherheit jedes anderen Staates Amerikas Interessen unterordnet und Angriffskriege zur Eliminierung potenzieller Bedrohungen legitimiert. Pfaff: "Es ist ein Paradoxon: Die einzige Supermacht der Welt untergräbt mit ihrer Politik die internationale Ordnung." (ef/DER STANDARD, Printausgabe, 19./20.10.2002)

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