Von Geschäftsreisen und potentiellen Gefahren

23. Oktober 2002, 11:25
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Eine Geschäftsreise ins Ausland birgt für Mitarbeiter oftmals zahlreiche Risiken. Krisenmanagement sowie laufende Mitarbeiterschulungen sind Unternehmen ans Herz zu legen

Vergessen Sie bei Reisen ins Weltall nicht die Checklist zur Benützung der Toilette! Bei einer Reise in die unendlichen Weiten des Weltraums kann ein so natürlicher Anlassfall schon einmal zu einer veritablen Krise auswachsen, wenn man nicht minutiös die einzelnen Schritte befolgt, die letztendlich die ersehnte Erleichterung verschaffen.

Was hier klingt wie ein guter Einfall für eine Kabaretteinlage, kann im Krisenfall auf unbekanntem Terrain das lebensrettende Instrument sein. Dies führten vor kurzem auf sehr eindringliche Weise Bruno Hersche, Riskmanagement-Consulter und Krisenmanagement-Trainer und Hans-Jürgen Schindler, Human-Resources-Manager der OMV Exploration & Production, im Rahmen einer Veranstaltung der Austrian Business Travel Association (ABTA) vor Augen.

Eine Geschäftsreise als Riskmanagement-Projekt zu betrachten sollte für jedes Unternehmen, das in regen Geschäftskontakten zum Ausland steht, ein Must sein. Wie bei jedem Projekt bedarf es auch bei der Institutionalisierung eines Geschäftsreisen-Krisenmanagements einer systematischen Vorgehensweise. Am Anfang steht die Informationsbeschaffung zum aktuellen Länderrisiko.

Über die Homepage des Bundesministeriums für auswärtige Angelegenheiten können derartige Risikoeinstufungen abgefragt werden. Hilfreich wäre auch der Erfahrungsaustausch zwischen den Unternehmen und der Aufbau einer internen Datenbank mit den Reiseberichten der eigenen Mitarbeiter.

Die anschließende Risikoanalyse wird verschiedene Risikoklassen zutage fördern. Auch Risiken, die durch präventive Maßnahmen vermieden werden können. So empfiehlt der Experte beispielsweise, Hotelzimmer nur zwischen der dritten und sechsten Etage zu buchen, da die Höhe der Feuerwehrleitern oft nicht darüber hinausreicht. Risiken, die auf andere - beispielsweise Versicherungen - abgewälzt werden können und Risiken, mit deren Eintritt gerechnet werden muss, wo sich die Organisationseinheit Krisenstab bewähren kann.

Die OMV gliedert ihre Krisenszenarien nach der Wahrscheinlichkeit der Unterstützung von Behörden vor Ort. Die Bewältigung von Krisenfällen erfordert eine eigenständige Organisationsform, besondere Führungsstrukturen, klare Kompetenzen, auch was finanzielle Belastungen betrifft, und abweichende Hierarchien. Oberste Maxime muss es sein, dass Entscheidungen rasch getroffen werden.

Oft ist die zweitbeste Entscheidung, zur richtigen Zeit gefällt, besser als die optimale zu spät. Der Krisenstab benötigt die entsprechende Infrastruktur und ausfallsichere Kommunikationsmöglichkeiten.

Im Rahmen der Detailplanung sind standardisierte Checklisten zu entwickeln. Diese können eine so einfache Ausprägung wie die zweisprachige Notfallkarte haben, die jeder Mitarbeiter im Ausland immer bei sich trägt. Sie sind Hilfsmittel, um den Mitarbeiter in Situationen extremer psychischer Belastung in die Lage zu versetzen, handlungsfähig zu bleiben.

Laufende Schulungen für Mitarbeiter sowie Trockenübungen für den Krisenstab sind daher unerlässlich für einen verantwortungsbewussten Umgang mit den potenziellen Gefahren einer Geschäftsreise. (Margarete Stechl/DER STANDARD, Printausgabe, 19./20.10.2002)

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    foto: fotodisc
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