Flexibilität als Überlebensmaßnahme

21. Oktober 2002, 15:05
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Cap Gemini Ernst & Young International setzt der Krise das Modell "Adaptive Enterprise" entgegen - Was sich dahinter verbirgt, erfuhr Johanna Zugmann im Gespräch mit Peter Laggner, dem Österreich-Geschäftsführer des Consulting-Unternehmens

Dienstagabend präsentierte Cap Gemini Ernst & Young im Kuppelsaal des Wiener Naturhistorischen Museums vor Kunden und Journalisten das "Adaptive Enterprise" als Überlebensmodell in Zeiten der Wirtschaftsflaute. Das Konzept besteht im Wesentlichen aus proaktiver Trendbeobachtung, Reaktionsgeschwindigkeit durch kleine Organisationseinheiten, Innovation und Flexibilität, sowie hohem Entscheidungstempo, das schnellen Strategiewechsel erlaubt.

STANDARD: Vor welchem Hintergrund hat sich das Modell "Adaptive Enterprise" entwickelt?

Laggner:Die rasche Abfolge von Krise und Konjunkturhoch wird zur Normalität. Immer häufiger vollziehen sich technologische Umbrüche. CEOs und Mitarbeiter verweilen immer kürzer in Unternehmen. Das erfordert immer mehr Flexibilität und die Fähigkeit, rascher Entscheidungen zu treffen oder Strategien zu wechseln.

STANDARD: Dass nicht die Großen die Kleinen auffressen, sondern die Schnellen die Langsamen, ist schon seit geraumer Zeit bekannt. Was ist neu am "Adaptive Enterprise"?

Laggner:In den letzten 20 Jahren standen andere Themen im Vordergrund, wie Globalisierung oder Reengineering. Die Flexibilisierung ist nur ein Teil eines auf vier Säulen basierenden Konzepts. Wichtig ist auch ein neuer Mindset.

STANDARD: Was hat man sich darunter vorzustellen?

Laggner:Zum Beispiel sollte die Flexibilisierung die Mitarbeiter nicht mehr belasten, sondern als Incentive eingesetzt werden.
STANDARD: Veränderung ist für den Großteil der Menschen, die eher Gewohnheitstäter sind, beängstigend. Wie soll das funktionieren?

Laggner:Nicht mit Weisung und Verordnung oder gar Pönalen, sondern durch beispielhaftes Vorleben, das beim Management beginnt. Flexibilität muss Bestandteil der Unternehmenskultur sein, gemessen und auch belohnt werden. Abgesehen von der garantierten individuellen Rendite, dass jede Orts- und Tätigkeitsveränderung den Horizont erweitert, die Wissensbasis vergrößert und die Innovationskraft steigert.

STANDARD: Können Sie Beispiele anführen, in denen das "Adaptive Enterprise" schon gelebte Realität ist?

Laggner:Nokia gilt als extrem anpassungsfähiges und wendiges Unternehmen. Vor 15 Jahren hat es noch Gummistiefel hergestellt. Im Hype der Telekommunikation war Nokia jahrelang Marktführer unter den Herstellern von Mobiltelefonen. Jetzt, wo der Markt langsam wächst, sind divisions- beziehungsweise länderübergreifend zwischen 20 und 30 Prozent der Mitarbeiter rochiert, 40 Prozent der Wertschöpfung wurde ausgelagert. So ist es Nokia gelungen, trotz sinkenden Umsatzes hochprofitabel zu bleiben.

STANDARD: Wo werden Ihrer Meinung nach, die künftigen Wachstumsmärkte für das Beratungsgeschäft zu orten sein?

Laggner:Wir erwarten nach einer breit angelegten weltweiten Marktforschung Schwerpunkte in den Gebieten Strategie- und Technologieberatung sowie im Outsourcing. Branchenmäßig in den Bereichen Financial, Governmental Services, sowie in der Biotechnologie.

Cap Gemini Ernst & Young International ist mit 8,4 Mrd. EURO Umsatz und 55.000 Mitarbei- tern eine der größten Unternehmensberatungen weltweit. In Österreich, von wo aus auch die Märkte Slowakei und Tschechien geleitet werden, erzielten im Vorjahr 230 Mitarbeiter 33,5 Mio. EURO Umsatz.

  • Peter Laggner, Geschäftsführer von Cap Gemini Ernst & Young Österreich
    foto: der standard/matthias cremer

    Peter Laggner, Geschäftsführer von Cap Gemini Ernst & Young Österreich

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