Kunst ererben und erwerben

18. Oktober 2002, 23:10
posten

Ergebnisse: Deutsche und österreichische Kunst bei Sotheby's London

Mit einem Gesamtumsatz von fast 23 Millionen Euro beendete Sotheby's in London vergangene Woche den zweitägigen Auktionsreigen um die Sammlung Beck. Es ist das weltweit bisher beste Ergebnis in der Sparte deutscher und österreichischer Kunst überhaupt. Paul Beck (1887-1949), der aus ärmsten Verhältnissen stammende Gründer einer Heizungs-Firma, begann seine Sammlertätigkeit in den 20er Jahren, kaufte von befreundeten Künstlern, vor allem in jenen Jahren, da diese Kunst verfemt war. Seine jetzt am höchsten dotieren Einkäufe tätigte er Ende der 30er, Anfang der 40er Jahre mit Werken von Macke, Jawlensky, Kandinsky, Schlemmer und Baumeister. Erweitert wurde die Sammlung dann von seinem Sohn Helmut.

Die sieben Erben beauftragten Sotheby's die bisher diskret gehütete Stuttgarter Sammlung zu versteigern. Schon das erste Abendresultat von 18,5 Millionen Euro - auf dieser Londoner Währungs-Premiere hatte die Familie bestanden - entsprach den Erwartungen. Zu 34 Prozent wechselten die Arbeiten wieder in deutschen Besitz, zu je sieben Prozent in die Schweiz wie nach Großbritannien und hinter kräftigen 24 Prozent standen amerikanische Käufer.

In den insgesamt fünf Sitzungen stellte die Nachfrage vergangener Woche acht neue Rekorde für einzelne Künstler auf, darunter für Alexej Jawlensky - für dessen satt konstruierten Halbakt ein amerikanischer Privatsammler 2,4 Millionen Euro hinterlegte - ebenso wie Lowis Corinth, dessen Walchensee, aufgehender Mond für mehr als 1,3 Millionen in den deutschen Handel zugeschlagen wurde.

Das Top-Ten-Ranking dominierten fünf Arbeiten von August Macke. Mit 4,4 Millionen Euro überrundeten seine Zwei Frauen vor dem Hutladen den bisherigen Künstlerrekord. Für seinen ungewöhnlichen, weil eher an Franz Marc erinnernden Waldspaziergang, fiel der Hammer bei 1,98 Millionen zu Gunsten eines Privatsammlers aus Deutschland.

Österreichischen Anklang fand auch der Beck-Freund Oskar Schlemmer. Seine Blaue Treppe erwarb Rudolf Leopold für 400.000 Euro, der auch bei Alfred Kubins Seegespenst (280.000 EURO netto) zulangte. Immerhin schaffte dann auch ein österreichischer Künstler die Aufnahme in den aktuellen Top-Ten-Club. Eine Version der Bergmäher von Albin Egger-Lienz stieg mit einem Zuschlag von 237.620 Euro deutlich über die Erwartungen. Zu den 18,5 Millionen Euro der ersten Beck-Sitzung gesellten sich noch 4,5 Millionen für die restliche Sammlung sowie zusätzliche 6,4 Millionen für die im Anschluss (aus diversem Besitz stammende) verteilte "German & Austrian Art" und einem Rekordumsatz von insgesamt 33 Millionen Euro, eingetrieben innerhalb von nur zwei Tagen! (Olga Kronsteiner/DER STANDARD, Printausgabe, 19.10.2002)

Share if you care.