"xXx": Ein Brett ist nicht genug

27. Juli 2004, 12:24
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Rob Cohens Actionfilm "xXx" beweist einmal mehr, dass es heute keine B-Pictures mehr gibt

Jede Ära hat den Spezialagenten, den sie verdient: Rob Cohens Actionfilm "xXx" schickt mit Vin Diesel einen tätowierten Extremsportler in geheimer Mission nach Prag - und beweist einmal mehr, dass es heute keine B-Pictures mehr gibt.


Wien - Der Auftrag muss halsbrecherisch sein. Nur in solchen Fällen wird der Abschaum der Gesellschaft mit dem Versprechen auf Amnestie zwangsrekrutiert - so die Mission gelingt. Schon Robert Aldrichs The Dirty Dozen, in dem eine delinquente Gruppe in den Zweiten Weltkrieg geschickt wurde, bewies, dass jeder Mörder ein Abenteuer dem Gefängnis vorzieht.

In Rob Cohens xXx/Triple X fehlt der NSA der geeignete Agent, um gegen einen Bund anarchistischer Gangster aus der Ex-UdSSR vorzugehen. Der Geheimdienstchef (Samuel L. Jackson - mehr eine Comicfigur) sucht ihn im Milieu der Extremsportler und findet ihn in Xander Cage (Vin Diesel), einem Modern Primitive, der gerade spektakulär eine Corvette zu Bruch fährt, um damit gegen die Zensur von Websites zu protestieren.

Das Geschehen ist natürlich nur ein Vorwand, um das Genre des Agentenfilms zielgruppenorientiert aufzupolieren: Smoking und britischer Humor werden gegen Fellledermantel und Tattoos getauscht - eines davon ziert den Stiernacken des Helden wie ein Brandzeichen: dreimal X -, mondäne Attitüde gegen den Appeal des Underdogs.

Diesel, der schon in Cohens letztem Reißer nach Exploitation-Muster, The Fast and the Furious, mitwirkte, ist der Action-Star einer neuen Generation. Er ist ein Held ohne "family values", ein freier Selbstständiger der Fun-Kultur, der weniger mit Waffen brilliert als mit Stunts auf Motorrädern, Skiern und anderen beweglichen Untersätzen.

Das sind auch die Voraussetzungen für den Attraktionswert von Cohens Filmen: Permanente Bewegung und spektakuläre Einlagen mit größtmöglichem körperlichen Einsatz, wobei erzählerische Kohärenz eher vernachlässigt wird. xXx folgt darin ganz einem Prinzip des postklassischen Hollywoods, das einstige B-Movie-Zutaten und deren trashigen Charme mit den technologischen Möglichkeiten von heute zum charakterlosen Blockbuster trimmt.

In den engen Gassen Prags erklingt kurz das Zitherspiel von Anton Karas, aber dann schwingt sich Agent X am Tablett übers Geländer, surft am Snowboard Lawinen voraus oder spannt die Gangsterbraut (Asia Argento) aus. Streckenweise hat xXx durchaus seinen Witz - etwa in Richy Müllers (Die innere Sicherheit) tschechischem Gammelpolizisten oder in dem einen oder anderen One-Liner ("Mit ein bisschen Wodka ist die Welt in Ordnung!").

Sein Tempo büßt der Film jedoch spätestens im letzten Drittel ein, einem Showdown ohne Ende, der mit dem abgedroschensten Spannungsmittel überhaupt, einem Countdown, die Weichen dafür stellt, dass der für 2004 geplanten Fortsetzung nichts im Wege steht. (DER STANDARD; Printausgabe, 19./20.10.2002)

Von
Dominik Kamalzadeh

Links

sony.at/triplexxx

xxx-themovie.co.uk
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