Plastiksteine und Pommes mit Noppen

18. Oktober 2002, 19:01
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Der Erlebnispark von Lego im bayrischen Günzburg erwartet bis zu 1,5 Millionen Besucher im kommenden Jahr - Videospiele sollen Absatz ankurbeln

"Hey du, willkommen in Legoland Deutschland." Noch bevor der Eintritt bezahlt und das Drehkreuz durchschritten ist, wird man empfangen von einer Märchenstimme. Sie kommt aus einer Figur aus Plastik, die um den Eingangsbereich in eine Fantasiewelt aus Millionen Plastiksteinen aufgestellt ist.

Im Dino Grill, dem vom dänischen Spielzeughersteller Lego selbst geführten Restaurant, haben sogar Pommes frites Noppen. "Die Kinder sind ganz verrückt danach", sagt John Jakobsen, der für das Marketing von Legoland Deutschland zuständig ist.

Vierter Park

Legoland Deutschland ist der weltweit vierte Erlebnispark des dänischen Unternehmens Lego, das mit seinen bunten Plastiksteinen Generationen von Kinderherzen erfreut hat. In Billund auf Jütland, dem Sitz des Familienunternehmens, steht der älteste Park, Windsor in Großbritannien und Carlsbad in Kaliformien wurden vor wenigen Jahren eröffnet.

150 Millionen Euro hat Lego in das am Stadtrand von Günzburg, auf halber Höhe zwischen Augsburg und Ulm, gelegene Legoland Deutschland investiert. Seit der Eröffnung im Mai habe man bereits 1,2 Mio. Besucher gezählt, bis Jahresende sollen es 1,3 Millionen werden, im kommenden Jahr 1,5 Millionen. Dann liege man bei den Besucherzahlen gleichauf mit den anderen Lego-Landschaften, sagt Mads Nipper, verantwortlich für die Region Deutschland, Schweiz und Österreich. Bis 2008 wolle man die Investitionen zurückverdient haben.

19 Euro pro Kind

Der Eintritt in das Legoland kostet 19 Euro pro Kind und Tag, Erwachsene zahlen 23 Euro. 60 Prozent des geplanten Jahresumsatzes von 50 Millionen Euro sollen über Eintrittsgelder hereinkommen, 40 Prozent durch Gastronomie und Shop-Verkauf.

Neben den Pommes in Lego-Form, auf die die Kleinen ganz verrückt sind, gibt es in dem 60 Hektar großen Park bei Günzburg eine Konzentration bunter Klötze wie sonst selten wo. Zusammengesteckt zu lebensgroßen Löwen, Giraffen oder Nilpferden, sollen sie Lust aufs Mitspielen machen. Nicht zuletzt hoffen die Lego-Manager dadurch auf neue Impulse für das Kerngeschäft. Denn Videospiele und Konsolen haben den dänischen Spielwarenhersteller in den vergangenen Jahren enorm unter Druck gesetzt. 1998 schrieb Lego erstmals in der Unternehmensgeschichte Verluste und im Jahr 2000 auch wieder.

Konzentration auf das Wesentliche

"Rückbesinnung auf unsere Kernstärken, Konzentration auf das Wesentliche", lautet seither die Devise. Nicht nur das Sortiment soll klarer strukturiert, auch der Außenauftritt soll durch ein neues Design verbessert werden. Umsetzen will man das im kommenden Jahr.

Neue Wege testet Lego auch im Vertrieb. Wurden die bunten Steine bisher nur über den Fachhandel vertrieben, will man nun eigene Stores zur Verkaufsankurbelung einsetzen. Anfang des Monats sperrte in Köln ein erster Lego-Shop auf, Anfang November soll ein zweiter im Süden von London und wenige Wochen später ein dritter in Moskau folgen.

Bis Ende des Jahres 2003 geht man bei Lego von 20 bis 30 eigenen Verkaufsstellen aus. Österreich werde in der ersten Phase nicht darunter sein. Ziel sei es, den Fachhandel zu unterstützen und ihm keinen Umsatz wegzunehmen. Sollte dies gelingen, wolle man ähnlich wie Nike oder Adidas ein Franchise-Netz aufbauen. (Günther Strobl, DER STANDARD, Printausgabe 19.10.2002)

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    150 Millionen Euro hat Legon in den Erlebnispark in Günzburg investiert. Bis 2008 soll das Geld zurückverdient sein. An Spitzentagen kommen bis zu 15.000 Besucher in den Park

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