Erste Bank: Schwieriges Umfeld beeinflusst Performance

18. Oktober 2002, 17:51
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Für 2002 rechnet heimische Großbank mit Ergebnis in Vorjahreshöhe

Wien - Die Erste Bank der oesterreichischen Sparkassen rechnet damit, dass das schwierige Umfeld 2002 weiterhin die Performance mit beeinflussen werde. Finanzvorstand Reinhard Ortner ging am Freitag in einem Vortrag auf der Gewinn-Messe davon aus, "dass wir ein Jahresergebnis in der Größenordnung des Vorjahres erreichen werden". Noch zur Bekanntgabe des Halbjahresergebnisses 2002 war das Institut davon ausgegangen, dass das Jahresergebnis trotz des Einmaleffekts der Vorsorgen aus der EU-Kartellverfahrensentscheidung ("Lombard-Strafe") über dem Ergebnis von 2001 liegen werde.

Seine Prognose bezog Ortner auf den Konzernüberschuss nach Steuern und Fremdanteilen in der so genannten "Kerngruppe" (Erste Bank-Gruppe ohne Sparkassen-Haftungsverbund). Dieser Wert war per Ende Juni 2002 mit 104,7 Mill. Euro im Jahresabstand um 3 Prozent niedriger gelegen. In der Haftungsverbund-Gruppe sind diese Werte höher. Detailzahlen zum Geschäftsverlauf in den ersten neun Monaten nannte Ortner unter Hinweis auf die in dreieinhalb Wochen zur Veröffentlichung anstehenden Drittquartalszahlen nicht.

Einkaufstour

Weiter auf Akquisitionstour ist die Erste Bank in Zentralosteuropa, wo sie als Gesamtgruppe bereits 70 Prozent der Mitarbeiter beschäftigt: "Wir werden wahrscheinlich am Privatisierungsverfahren für die ungarische Postabank teilnehmen", sagte Ortner am Rande der Gewinn-Messe. Es wäre dies eine der wenigen Möglichkeiten, sich im Retail-Geschäft vor Ort zu verstärken. Zum Privatisierungsfahrplan bei der Postabank in Budapest ist derzeit noch nicht viel bekannt. Ortner geht aber davon aus, "dass dies ein Thema für das erste Halbjahr 2003 wird". Und er gehe außerdem davon aus, dass der ungarische Staat eine Mehrheit anbietet.

Bisher ist die Erste Bank in Ungarn über ihre Tochter Erste Bank Hungary mit rund 75 Filialen und 1.000 Mitarbeitern vertreten. Der Marktanteil von dort 4 bis 5 Prozent wurde wiederholt als zu niedrig eingestuft. In den Ländern des erweiterten Heimmarkts in Zentralosteuropa hat sich die Erste Bank überall mindestens 20 bis 25 Prozent Marktdurchdringung vorgenommen.

Interesse in Bulgarien

Weiter nur grundsätzlich ist das Interesse an der drittgrößten Bank Bulgariens, der DSK, die der Staat im kommenden Frühjahr zur Privatisierung ausschreiben will. "Wir werden uns hier die Unterlagen anschauen und dann zu entscheiden haben, ob wir in das Verfahren einsteigen oder nicht", sagte Ortner. Noch gebe es jedenfalls keine Organbeschlüsse. Die DSK ähnle den Banken Ceska sporitelna und Slovenska sporitelna als Retail-Bank. Daher interessiere man sich für die Angebotsunterlagen.

"Wachstumstreiber"

Im ersten Halbjahr stammte rund die Hälfte des Betriebsergebnisses der Erste Bank-Gruppe aus den Töchtern in Zentralosteuropa. Zum heurigen Jahresende werde diese Quote zwischen 50 und 60 Prozent liegen, meint Ortner. Die tschechische Großsparkasse Ceska sporitelna, heute zu 95 Prozent im Besitz der Erste Bank, ist laut Ortner "profitabelster Bestandteil der gesamten Unternehmensgruppe". 8,5 der insgesamt 10,8 Millionen Kunden der gesamten Erste/Sparkassen-Gruppe stammen heute schon von Banktöchtern außerhalb Österreichs. Ortner bezeichnete die Entwicklung im "erweiterten Heimmarkt" als "Wachstumstreiber". Die erst im heurigen Mai erworbene Rijecka banka soll im ersten Halbjahr 2003 mit der bestehenden Erste & Steiermärkische Bank fusioniert werden.

An der Wiener Börse notierte die Erste-Aktie am späten Nachmittag mit 60,70 Euro um gut 2 Prozent schwächer. (APA)

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