Vivendi will Vodafone Telekomgeschäft nicht kampflos überlassen

18. Oktober 2002, 15:21
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Pariser Konzern sucht Möglichkeit für Cegetel-Gegenangebot

Der jüngste Übernahmeplan von Vodafone auf dem Mobilfunk-Markt trifft in Paris auf energischen Widerstand. Der Pariser Konzern Vivendi Universal ist nach Presseberichten vom Freitag entschlossen, Vodafone nicht kampflos die profitable Cegetel und deren Tochter SFR mit 13 Mill. Mobilfunk-Kunden zu überlassen.

Vivendi will Vorverkaufsrecht nutzen

Vivendi wolle vor dem Stichtag am 10. November sein Vorkaufsrecht nutzen, um die bereits gehaltenen 44 Prozent an Cegetel zu einer Mehrheit auszubauen, berichteten der Pariser "Figaro" und die Londoner "Financial Times" übereinstimmend. Die Finanzmittel könnten aus dem geplanten Verkauf der Vivendi-Verlagssparte VUP stammen.

"Freundliche" Offerte

Vivendi muss sich bis Ende Oktober zu einer als "freundlich" deklarierten Offerte von Vodafone-Chef Chris Gent äußern. Danach will Vodafone von der BT Group für vier Mrd. Euro deren Cegetel-Anteile von 26 Prozent übernehmen und von SBC Communications für 2,3 Mrd. Euro deren 15 Prozent. Die Vivendi-Anteile an Cegetel sind Gent weitere 6,77 Mrd. Euro wert. Gent hatte am Donnerstag vor Journalisten in Paris gesagt, dieses Angebot werde er nicht noch einmal aufstocken.

Vivendi befindet sich seit Monaten in einer schweren Finanzkrise, könnte aber die Mittel zum Kauf weiterer Cegetel-Anteile durch den ohnehin geplanten Verkauf der Verlagssparte erlösen oder von einem Bankenkonsortium einen weiteren Kredit erbitten.

Jeder Kunde ist 1500 Euro wert

Über Cegetel will Gent Zugriff auf den zweitgrößten französischen Mobilfunk-Anbieter SFR erhalten. Gents Angebot veranschlagt jeden Kunden mit 1500 Euro. Dagegen hatte Vodafone beim Verkauf des Mobilfunkanbieters Orange an France Telecom vor zwei Jahren einen durchschnittlichen Kundenpreis von 10.000 Euro erzielt. Nachdem Gents Plan bekannt geworden war, zeigte sich die Rating-Agentur Moody's skeptisch zum weiteren Geschäftsverlauf bei Vodafone.

Vivendi will nach Informationen des Pariser Wirtschaftsblatts "La Tribune" noch vor Monatsende einen Käufer für die Verlagssparte Vivendi Universal Publishing (VUP) bekannt geben. Der Erlös des Firmenkonsortiums, zu dem Buchverlage wie Plon-Perrin und Laffont, Larousse und Robert gehören, wird auf bis zu 3,5 Mrd. Euro veranschlagt.

Gelänge Vodafone die Übernahme von Cegetel, würde das zweitgrößte Mobilfunkunternehmen der Welt seine Position in Europa weiter stärken. Gents Unternehmen wäre dann auf den drei wichtigsten Märkten in Europa als Nummer eins oder zwei vertreten - in Großbritannien, Deutschland und Frankreich.(APA/AFP)

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