Kein Ende des Höhenflugs

18. Oktober 2002, 18:08
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Börsenexperten sehen Trendwende an den Aktienmärkten bereits erreicht - Optimismus für US-Börsen

Wien/Frankfurt - Trotz schwacher Börsentendenzen am Freitag setzen die internationalen Aktienmärkte ihren jüngsten Höhenflug in der abgelaufenen Woche fort. "Nach einer Börsenwoche mit zum Teil rasanten Kurssteigerungen sind Gewinnmitnahmen eine ganz normale Reaktion", beruhigt ein Händler. Ausgelöst wurde die Euphorie am Parkett durch positive Drittquartalsergebnisse von IBM, Citigroup und General Motors oder Philips, SAP und Nokia in Europa. Negative Meldungen von der US-Konjunkturfront oder enttäuschende Zahlen von Intel und Ericsson konnten die Stimmung hingegen kaum trüben.

"Sehr wahrscheinlich" habe der Markt mit dem jüngsten Aufschwung bereits eine nachhaltige Trendwende erlebt, glaubt Börsenstrategin Gertrud Traud von der Bankgesellschaft Berlin. Schlechte Konjunkturdaten aus den USA und Europa habe die Börse zuletzt ignoriert und sei weiter nach oben gestürmt, was typisch für einen Wendepunkt sei.

"Enormes Potenzial" für den DAX

Besonders der DAX, dem Traud "enormes Potenzial" zuschreibt, sei "fundamental stark unterbewertet." Auf Basis der erwarteten Gewinne für 2003 betrage der faire Wert des DAX 4.500 Punkte - trotz niedrigerer Gewinnschätzungen als fürs laufende Jahr. Das entspricht einem Kurspotenzial von nahezu 50 Prozent. Auch die Charttechnik lässt zur Zeit nicht auf einen stärkeren Rückschlag schließen: Der DAX habe sich eine Beruhigung nach dem starken Anstieg verdient, meint Frederik Altmann, technischer Analyst bei Hornblower Fischer. Wahrscheinlich sei kurzfristig eine Handelsspanne zwischen der Unterstützung bei 3.000 Zählern und dem Schnittpunkt des mittelfristigen Abwärtstrends und des horizontalen Widerstands bei 3.340 Indexpunkten.

Optimismus für US-Börsen

Optimismus lassen die Analysten der Erste Bank auch für die US-Börsen durchklingen: Für die kommende Woche sei auf Grund zahlreicher Unternehmenszahlen weiterhin mit erhöhter Volatilität zu rechnen. Ein Anhalten des erfreulichen Trends der Berichtsperiode zum dritten Quartal sollte zu weiteren Kursanstiegen führen.

Im Wochenabstand notieren alle wichtigen Indizes meilenweit im positiven Terrain. Bis 17:30 Uhr MESZ gewinnt der DAX 6,4 Prozent auf 3.119 Punkte, während der Eurostoxx-50 um 6,3 Prozent auf 2.501 Zähler zulegt. In New York verbessert sich der Dow Jones um 4,9 Prozent auf 8.234 Einheiten. Der Tokioter Nikei-225 legt auf 9.086 Punkte zu, das entspricht einem 6,5-prozentigem Anstieg gegenüber dem Vorwochen-Schluss.

Erholung auch in Wien

Auch der Wiener Markt hat sich nach seiner mehrwöchigen Talfahrt, beflügelt von guten Vorgaben der großen Auslandsbörsen, in dieser Woche erholen können. Im Wochenverlauf stieg der ATX, der Index der wichtigsten heimischen Aktien, getrieben von Schwergewicht Erste Bank um 4,3 Prozent auf 1.049,25 Punkte. Noch in der Woche davor war Wiens Blue-chip-Barometer kurzfristig in den dreistelligen Bereich abgetaucht. Zu hoffen wäre, dass das derzeitige Niveau jetzt gehalten werden kann; auch wenn damit zu rechnen sei, dass es vorerst weiter volatil bleibt. Aus charttechnischer Sicht sei ein "richtiger Boden noch nicht ausgebildet, es müsste nochmals runter gehen", sagte der Chefanalyst der Bank Austria Creditanstalt (BA-CA), Alfred Reisenberger am Freitag. Für die kommende Börsenwoche rechnet er mit einer Seitwärtsbewegung in einer Bandbreite von 1.030 bis 1.060 ATX-Punkten. (APA)

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    Sollte das positive Momentum der Unternehmensgewinne anhalten, könne durchaus weiter "Schwung drinnen" bleiben, glauben Marktbeobachter.

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