"Knochenschwund": Massenerkrankung älterer Menschen

19. Oktober 2002, 18:00
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Bilanz am Welt- Osteoporose-Tag: 750.000 Betroffene allein in Österreich

Wien - Eine gefährliche Massenerkrankung: Sechs bis zehn Prozent der Menschen in den westlichen Industriestaaten - in Österreich rund 750.000 Menschen - leiden an krankhaftem Knochenabbau. Die Konsequenzen sind Wirbel-, Oberschenkel- und Armbrüche, Behinderungen und bei manchen Betroffenen sogar der Tod. Anlässlich des Welt-Osteoporose-Tages am 20. Oktober wird auch mehr Forschung zur Auffindung neuer Früherkennungsmethoden gefordert.

Folge der gestiegenen Lebenserwartung

Die steigende Lebenserwartung lässt in zahlreichen Staaten der Welt die Osteoporose zu einer echten Epidemie werden. In Österreich dürften rund 750.000 Menschen davon betroffen sein. Die meisten von ihnen sind Frauen. Experten schätzen, dass bei etwa 375.000 Patienten die Krankheit schon richtig diagnostiziert wurde, aber erst knapp 200.000 die entsprechende Therapie erhalten.

Jede zweite Frau über 50 erleidet einen Bruch in Folge des zunehmenden Knochenabbaus. Betroffen ist aber auch jeder achte Mann. In Österreich wird mit volkswirtschaftlichen Kosten von jährlich rund sechs Milliarden Schilling durch die Krankheit gerechnet.

Die Osteoporose basiert auf einem Ungleichgewicht zwischen den Knochen-aufbauenden Zellen (Osteoblasten) und den Knochen-abbauenden Zellen (Osteoklasten). Besonders häufig ist das bei Frauen nach der Menopause. Weltweit erleiden deshalb derzeit pro Jahr 1,7 Millionen Menschen Oberschenkelhalsbrüche, im Jahr 2050 könnten es 6,3 Millionen Personen sein.

Behandlungsmöglichkeiten

Die wichtigsten Gegenmaßnahmen: Messung der Knochendichte besonders bei Frauen nach den Wechsel, Kalzium-, Vitamin D- und Vitamin K-reiche Ernährung sowie Bewegung, wenig Alkohol und kein Rauchen. Die Hormonersatztherapie zur Behandlung der Wechselbeschwerden bringt zusätzlich auch einen knochenaufbauenden Effekt.

In der Behandlung der Osteoporose gab es in den vergangenen Jahren laufend Verbesserungen: Waren ehemals Kalzium und Vitamin D de facto die einzigen Mittel, so stiegen die Behandlungschancen zunächst vor allem mit der Einführung von Kalzitonin. Hinzu kam die Hormon-Ersatztherapie für Frauen nach der Menopause.

Eine echte Revolution haben die so genannten Bisphosphonate gebracht: Diese Medikamente blockieren den Knochenabbau durch eine Hemmung der "Knochenfresszellen" (Osteoklasten). Mit solchen Medikamenten kann beispielsweise bei betroffenen Frauen das Risiko eines eines Wirbelbruches um 65 Prozent gesenkt werden. Bei Hochrisiko-Patientinnen (schon zwei Frakturen erlitten, Anm.) geht die Gefährdung gar um drei Viertel zurück.

Schnelle Erkennung noch kaum möglich

Wichtig aber wären einfache Tests, um einerseits bei potenziell Betroffenen schnell ein allfälliges Risiko feststellen zu können. Auf der anderen Seite könnten sollten solche Methoden auch dazu dienen, die Wirkung der Behandlung zu bestimmen. Doch diese "Marker" gibt es noch nicht wirklich. "Diese Verfahren sind derzeit weder genug erprobt, um eine Aussage über das Osteoporose-Risiko zu erlauben, noch sind sie für eine echte Diagnose spezifisch genug", stellte jetzt der Europa-Verband der Diagnostika-Erzeuger fest.

So muss derzeit noch zwei Jahre gewartet werden, bis eine erneute Knochendichtemessung Auskunft auf Röntgen-Basis über die Situation des Patienten Auskunft geben kann. Gäbe es eine zuverlässige Möglichkeit zur Bestimmung des Verlaufs der Osteoporose, könnte das aber auch Kosten sparen helfen, weil unnötige Therapien vermieden werden könnten. (APA)

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