Ex-Präsident Lilic ziert sich vor Aussage im Milosevic-Prozess

18. Oktober 2002, 14:51
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"Wurde nicht von der Wahrung des Staatsgeheimnisses entbunden" - Öffentliche Zeugenaussage verlangt

Belgrad - Der ehemalige jugoslawische Präsident Zoran Lilic (1993-1997) will seine Aussage im Prozess gegen den früheren jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic vor dem UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag aufschieben. Die jugoslawischen Behörden hätten ihn von der Wahrung des Amtsgeheimnisses, allerdings nicht von der Wahrung des Staats- und Militärgeheimnisses entbunden, erklärte Lilic gegenüber der Belgrader Tageszeitung "Blic" am Freitag.

Er habe deshalb Tribunalsrichter Richard May gebeten, seine Aussage aufzuschieben, bis eine Einigung mit den jugoslawischen Behörden erzielt worden sei. Der Ex-Staatschef beharrt auch auf einer öffentlichen Zeugenaussage, während sich die jugoslawischen Regierungsvertreter im UNO-Tribunal im Juni dafür eingesetzt hatten, dass die Aussage von Lilic unter Ausschluss der Öffentlichkeit erfolgt.

Haftstrafe droht

Ihm drohe eine siebenmonatige Haftstrafe, wenn er weiterhin die Aussage vor dem Tribunal ablehne, sagte der frühere jugoslawische Präsident. Wenn er jedoch aussage, ohne vorher von der Wahrung des Staats- und Militärgeheimnisses in Belgrad entbunden worden zu sein, so könnte er zu Hause zu einer Haftstrafe von 15 und 30 Jahren verurteilt werden, erklärte Lilic gegenüber "Blic".

Lilic sagte im Gespräch mit "Blic", dass er in Belgrad anhaltenden Drohungen ausgesetzt sei, die sich auch gegen seinen Sohn richtete. Lilic war Ende Mai vor dem UNO-Tribunal erschienen, seine Aussage wurde allerdings auf Antrag seiner Anwälte aufgeschoben. Wann und ob er erneut im Prozess gegen Milosevic aussagen wird, ist noch unbekannt.

Die jugoslawischen Behörden behaupten, den Ex-Präsidenten von der Wahrung von Amtsgeheimnisses entbunden zu haben, was ihrer Meinung nach auch das Staats- und Militärgeheimnis miteinbeziehen soll. Lilic meinte dazu gegenüber dem Belgrader Blatt: "Man verhält sich so, als ob dies (Aussage vor UNO-Tribunal) meine persönliche Angelegenheit wäre". (APA)

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