Das sanfte Implantat

18. Oktober 2002, 21:00
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Es fördert den körpereigenen Gewebeaufbau und baut sich parallel dazu im gleichen Maße selbst ab

Stuttgart - Ein neues Implantat soll künftig die Behandlung von Knorpelverletzungen und geschädigten Knochen verbessern. Wie das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung in Stuttgart mitteilte, unterstützt das Implantat den körpereigenen Gewebeaufbau und baut sich dabei in dem Maß ab, wie neues Gewebe entsteht. Zudem sei der neue Knochen oder Knorpel ebenso belastbar wie ein gesunder. Das Implantat bindet körpereigene Stammzellen, die sich in Knorpelzellen umwandeln können, und bildet mit ihnen neues Gewebe.

Entwickelt wurde das aus Polyglykolid und Polylactid bestehende Implantat von Forschern des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) in Stuttgart und der orthopädischen Universitätsklinik Rostock. Mit Hilfe eines speziellen Gerätes wird das Polylactid-Pulver den Forschern zufolge zunächst formbar gemacht und dann über eine Düse in den Körper gebracht.

Eigenschaften können gezielt bestimmt werden

Dabei würde es in komplexe, "exakt errechnete dreidimensionale Strukturen" umgewandelt, erklärt Bernd Biesinger vom IPA. Die mechanischen und elastischen Eigenschaften des Implantates könnten gezielt bestimmt werden. "Ist neben dem Knorpel auch der Knochen geschädigt, soll ein zweischichtiges Implantat künftig zum Erfolg führen", erklärt Professor Volkmar Jansson von der Universitätsklinik Rostock. In seinen Schichten entspreche es den Eigenschaften des Knochens und des Knorpels.

Bisher können geschädigte Knorpel den Experten zufolge vom menschlichen Organismus nur unzureichend ersetzt werden. Selbst dann, wenn mit körpereigenen, im Reagenzglas vermehrten Knorpelzellen gearbeitet werde, entstünden meist nur minderwertige Faserknorpel. Außerdem müssten sich die Patienten bei diesem Verfahren mindestens zwei Mal operieren lassen: Zunächst, um Knorpelgewebe zu entfernen, und dann, um die gezüchteten Knorpelzellen in den Körper einzusetzen. Bei dem neuen Verfahren sei hingegen nur ein Eingriff nötig. (APA/AP)

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