Notquartiere platzen aus allen Nähten

18. Oktober 2002, 20:05
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NGOs können keine weiteren Menschen mehr unterbringen - Volkshilfe bittet um Sachspenden

Wien/Graz - Die Notquartiere für die aus der Bundesbetreuung entlassenen Asylwerber platzen aus allen Nähten. Seit Donnerstagabend ist auch die von Volkshilfe und Arbeiter-Samariterbund betriebene Unterkunft in einem Pavillon des Psychiatrischen Krankenhauses in Wien mit 200 Personen voll belegt.

Weitere Menschen könnten nicht mehr aufgenommen werden, bedauerte Volkshilfe-Geschäftsführer Peter Reicher bei einem Lokalaugenschein.

Benötigt werden weiterhin Sachspenden, vor allem Hygieneartikel. Schon jetzt ist die Betreuung der in Not geratenen Flüchtlinge alles andere als feudal. Bis zu 26 Menschen sind in den kargen Schlafsälen untergebracht. Einzig Paare haben Einzelzimmer, die aber auch kaum zehn Quadratmeter Fläche aufweisen.

Die Verköstigung der Asylwerber wird vorerst von der Gemeinde Wien finanziert, die auch die Räumlichkeit zur Verfügung gestellt hat. Zwei Waschmaschinen wurden vom Spital geborgt.

Das Notquartier war erst am vergangenen Freitag in Betrieb genommen worden. Notwendig wurde die Einrichtung - ebenso wie die Unterkunft des Roten Kreuzes im neunten Bezirk mit 176 Plätzen und ein Volkshilfe-Quartier in Oberösterreich mit 50 Betten - durch die Richtlinie des Innenministeriums, die seit erstem Oktober Asylwerber aus bestimmten Ländern generell aus der Bundesbetreuung ausschließt.

Auch in Graz spitzt sich die Lage dramatisch zu. "Schon seit September haben wir eine Situation, wie wir sie vorher nie gekannt haben", klagt ein Mitarbeiter der Caritas-Notschlafstelle "Arche". In der Arche gibt es neben einem Heimbetrieb, wo man bis zu einem halben Jahr aufgenommen wird, auch 28 Betten für maximal zwei Wochen, die vor allem von Leuten, die weder in Bundesbetreuung noch in der Grundversorgung sind, von 18 bis 8 Uhr morgens belegt werden.

In den letzten Wochen mussten immer mehr Menschen in der Nacht weggeschickt werden. Der Arche-Mitarbeiter: "Es gibt jetzt schon einige, die in Waggons am Hauptbahnhof übernachten. Dabei werden wir die Auswirkungen der Verordnung erst in den nächsten Monaten richtig bemerken." (red, cms/DER STANDARD, Printausgabe, 19/20.10.2002)

Spendenkonto der Volkshilfe:
1.740.400 PSK Kennwort Flüchtlinge
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