"Hundstage" in NYC

18. Oktober 2002, 12:28
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Ulrich Seidl- Werkschau in New York

Ulrich Seidl ist der Star der neuen Serie "The Next Director" des New Yorker Kulturzentrums Brooklyn Academy of Music. Sein international mehrfach ausgezeichnetes Spielfilmdebüt "Hundstage" eröffnete gestern, Donnerstag, einen vier Tage langen Überblick seiner Filme. Die angeregte Diskussion nach der Vorführung zeigte eine spannende Publikumsreaktion in einer Stadt, die eigentlich wenig schockieren sollte.

Eine Dame aus dem Publikum dankte Seidl für "Hundstage", denn in den USA würde man sonst nicht so viel Männlichkeit zu sehen bekommen. Sie betonte, wie erfrischend es sei, einen so ehrlichen Film zu sehen. Auf die Frage, ob es denn schwierig gewesen wäre, die Darsteller zu den freizügigen Szenen zu bringen, schmunzelte Seidl und meinte, Probleme mit den Schauspielern in dieser Richtung hätte es nicht gegeben. Seidl fügte auch hinzu, dass er immer wieder zu hören bekommen, warum er denn nur hässliche Menschen in seinen Filmen zeige. "Diese Leute wissen jedoch nicht, wie sie nackt aussehen. Ich zeige Menschen so, wie sie in Wirklichkeit aussehen, und nicht die geschönte Wirklichkeit, die man überall sieht."

Auf die Frage, ob er seine Filme nicht als potenzielle Schädigung für den österreichischen Tourismus sehe, meinte Seidl: "Ich bin nicht verantwortlich für den österreichischen Tourismus, und ich mache auch nicht Filme um Touristen nach Österreich zu bringen. Generell muss ich sagen, dass ich Hundstage überall hätte drehen können. Ich sehe den Film als Spiegel der Zeit, besonders der westlichen Gesellschaft. Nur Atmosphäre, Zeit und Ort beherrschen den Film."

"Hundstage ist so erfolgreich, dass ich viel mehr Einladungen bekomme, als ich annehmen kann. Sonst würde ich ja außer zum Reisen zu gar nichts mehr kommen", meint der Regisseur. Der Einladung nach New York seien er und Veronika Franz, Koautorin der "Hundstage", jedoch gerne gefolgt. (APA/red)

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    foto: filmladen
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