MobilCom-Rettung rückt wieder in weite Ferne

18. Oktober 2002, 16:20
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France Telecom dementiert Gerüchte über Tilgung des Schuldenbergs energisch

Paris/Frankfurt - Die Rettung der Not leidenden deutschen Telefonfirma MobilCom hängt weiter in der Schwebe: Der Pariser Großaktionär France Telecom wies am Freitag Informationen zurück, er sei bereit, für 7,5 Mrd. Euro MobilCom-Schulden einzustehen. Auch Angaben, die Franzosen wollten der deutschen Firma 485 Mill. Euro zur Verfügung stellen, um den UMTS-Netzaufbau auf Eis zu legen, wies ein France-Télécom-Sprecher "entschieden" zurück. Dagegen hieß es aus MobilCom-Kreisen, ein entsprechender Bericht des "Handelsblattes" gehe "in die richtige Richtung". Die Aktienkurse beider Unternehmen schwankten; MobilCom verzeichnete dabei zwischenzeitlich immense Kursgewinne.

Dem "Handelsblatt" vom Freitag zufolge erklärte sich das französische Unternehmen bereit, das UMTS-Darlehen von 4,7 Mrd. Euro, Gesellschafterkredite von 1,01 Mrd. Euro sowie offene Forderungen der Netzausrüster Nokia und Ericsson von insgesamt rund 1,22 Mrd. Euro zu übernehmen. Im Gegenzug verpflichte sich MobilCom, keine Schadensersatzansprüche aus dem Kooperationsvertrag gegen den 28,5-prozentigen Pariser Anteilseigner zu stellen. Das Grundsatzabkommen soll dem Zeitungsbericht zufolge in den nächsten zwei Wochen unterzeichnet werden. Zudem müssten die MobilCom-Aktionäre auf einer außerordentlichen Hauptversammlung zustimmen, die voraussichtlich Mitte Dezember stattfinden werde. Unklar sei jedoch, ob Hauptaktionär Gerhard Schmid der Übereinkunft zustimme, da sie keine Regelung über die Höhe einer Abfindung für sein Aktienpaket enthalte.

"Frei erfunden"

Die genannten Summen seien frei erfunden, sagte dagegen France Telecom-Sprecher Bruno Janet in Paris. "Unsere Position hat sich seit dem 12. September nicht geändert, als wir angekündigt haben, dass wir keinerlei Schulden von MobilCom übernehmen werden", betonte er. So werde France Telecom kein Geld überweisen, damit MobilCom jeweils das Ende der Monate überstehe.

Nach Angaben Janets hält das Pariser Unternehmen aber seinen Vorschlag aufrecht, für fällige Forderungen von Banken und MobilCom-Lieferanten France Telecom-Schuldtitel auszugeben, die ab einem Kurs von einem 47 Euro in Aktien umgewandelt und dann verkauft werden können. Derartige Titel zählen aus finanzechnischer Sicht nicht als Schulden. Derzeit pendelt die französische T-Aktie bei gut zehn Euro. Am Freitag kletterte sie zunächst auf elf Euro, stand am Nachmittag aber in Paris bei 10,49 Euro knapp 1,7 Prozent im Minus.

Monatelanger Streit

France Telecom hat selbst 70 Mrd. Euro Schulden und hatte im September den Geldhahn für das Büdelsdorfer Unternehmen zugedreht. Eine Insolvenz der deutschen Firma konnte nur durch einen Rettungskredit der Bundesregierung verhindert werden. Seitdem streiten beide Firmen über die Frage, inwieweit France Telecom vertraglich zur Schuldenübernahme und weiteren Finanzierung des Ausbaus der UMTS-Mobilfunknetze von MobilCom verpflichtet ist. Um eine Pleite zu verhindern, hatte MobilCom Ende September den Ausbau seines UMTS-Netzes in Deutschland auf Eis gelegt. Gleichzeitig kündigte das Unternehmen die Streichung von 1.850 von insgesamt 4.200 Vollzeit-Stellen an.

Auf Grund des "Handelsblatt"-Berichtes verdoppelte der MobilCom-Kurs am Freitagmorgen beinahe auf 5,79 Euro. Bis zum Nachmittag schmolzen die Kursgewinne aber wieder deutlich ab. Gegen 15.30 Uhr pendelte das Papier über 3,70 Euro. Dies entsprach noch einem Plus von fast 29 Prozent gegenüber dem Vortag. (APA)

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