Washington plant keine Militäraktion gegen Nordkorea

18. Oktober 2002, 17:50
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Pakistan bestreitet Hilfe für Nordkoreas Atomwaffenprogramm

New York/Berlin/Islamabad - Die USA haben nach Angaben von Außenminister Colin Powell derzeit nicht die Absicht, militärisch gegen Nordkorea vorzugehen, das ein geheimes Atomwaffenprogramm eingeräumt haben soll. Nordkorea hat sich zu den US-Vorwürfen bisher nicht geäußert.

Powell sagte am Freitag in New York: "Im Augenblick haben wir keine derartigen Pläne" (für Militäraktionen gegen Nordkorea). Die internationale Gemeinschaft wolle aber Erklärungen zu dem Atomwaffenprogramm. "Nordkorea muss die Wahl treffen, ob es vorwärts kommen und versuchen will, seinem Volk ein besseres Leben zu bieten oder ob es seine beschränkten Ressourcen verschwendet, um Massenvernichtungswaffen zu entwickeln, die nordkoreanische Kinder nicht ernähren können", sagte Powell.

"Achse des Bösen"

Nordkorea, nach US-Charakterisierung neben dem Iran und dem Irak Teil einer "Achse des Bösen", hat nach Angaben der US-Regierung eingeräumt, mehrere Jahre lang ein geheimes Atomwaffenprogramm betrieben zu haben. Das Problem Nordkorea sei jedoch anders zu bewerten als die Bedrohung durch den Irak, sagte ein Sprecher von US-Präsident George W. Bush: "Das sind verschiedene Regionen, verschiedene Umstände." US-Staatssekretär John Bolton und Unterstaatssekretär James Kelly trafen sich am Freitag in Peking mit Vertretern der chinesischen Regierung. Bolton wollte anschließend nach Russland, Großbritannien und Frankreich weiterreisen, während Kelly in Seoul und Tokio erwartet wurde. Südkorea entsandte einen Unterhändler nach Pjöngjang.

Eine für Samstag angesetzte Gesprächsrunde über die Verbesserung der Beziehungen zwischen Süd- und Nordkorea in Pjöngjang wird von der Affäre überschattet. Südkorea werde bei den Gesprächen seine Position deutlich machen und von Nordkorea die Einhaltung seiner Zusagen in internationalen Atomvereinbarungen fordern, sagte am Freitag der Sprecher der südkoreanischen Delegation, Rhee Bong Jo vom Vereinigungsministerium, in Seoul.

Der südkoreanische Präsident Kim Dae Jung gerät wegen des Atomwaffenprogramms in Nordkorea unter Druck. Seine Kritiker erklärten, das Programm sei der Beweis dafür, dass Nordkorea nur wirtschaftliche Hilfe aus dem Süden erhalten wolle, ohne dafür eine Gegenleistung zu bringen. Kim hat sich in den vergangenen Jahren für eine Verbesserung der Beziehungen zum Norden eingesetzt.

Aus US-Regierungskreisen verlautete, vermutlich hätten Russland und China Nordkorea bei der Entwicklung von Technik zur Anreicherung von Uran unterstützt. Korea-Experten bezweifeln das jedoch. Die "New York Times" berichtete unterdessen, Pakistan habe Nordkorea Anlagen für sein geheimes Atomwaffenprogramm geliefert, darunter möglicherweise auch Gas-Zentrifugen zu Anreicherung von Uran. Diese Technik wird für Atomwaffen benötigt. Der Sprecher des pakistanischen Militärmachthabers Pervez Musharraf, General Rashid Qureshi, bezeichnete den Bericht am Freitag in Islamabad allerdings als "absoluten Unsinn und unbegründet".

Nordkorea hatte sich 1994 in einem Abkommen mit den USA zur Aussetzung seines Atomwaffenprogramms verpflichtet. Im Gegenzug war dem Land die Finanzierung und der Bau zweier Atomreaktoren zur friedlichen Nutzung zugesagt worden. Mit diesen Reaktoren kann kein Plutonium erzeugt werden. Dies wäre für Waffen einsetzbar. (APA/AP/Reuters)

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    Außenminister Colin Powell.

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