Studie: FPÖ und Antisemitismus

18. Oktober 2002, 11:21
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Neue DÖW-Expertise zu den Freiheitlichen

Wien - Mit Antisemitismus in der FPÖ setzt sich eine neue Expertise von Vertretern des Dokumentationsarchivs des Österreichischen Widerstandes (DÖW) auseinander. "Jörg Haider, die FPÖ und der Antisemitismus" heißt der Beitrag von DÖW-Leiter Wolfgang Neugebauer und seinem Kollegen Heribert Schiedel, der in einem Anfang November erscheinenden Buch zu finden sein wird und der APA schon jetzt vorliegt.

"Dreck am Streck´n"

Das neue Buch mit dem Titel "Dreck am Steck'n. Politik der Ausgrenzung" wird von der Sprachwissenschafterin Ruth Wodak und dem Politologen Anton Pelinka im Czernin-Verlag herausgegeben. Dabei handelt es sich um eine Sammlung wissenschaftlicher Gutachten zu Haiders Äußerungen im und um den Wiener Wahlkampf im Vorjahr. Die Autorinnen und Autoren untersuchen diese auf ihren antisemitischen Gehalt.

Ideologie oder "Waffe"?

Schiedel und Neugebauer stellen in ihrem Beitrag gar nicht die Frage, ob die FPÖ antisemitisch ist, sondern woher ihr Antisemitismus kommt: "Ist die Tatsache, dass führende Kader einer legalen Partei offen oder verdeckt antisemitisch agieren, akzeptiert, drängt sich die Frage auf, ob der Antisemitismus von Freiheitlichen als taktische Waffe, als Mittel zum Zweck eingesetzt wird, oder ob er Ausdruck innerster Überzeugung ist. Mit aller gebotenen Vorsicht meinen wir, dass zumindest bei Jörg Haider letzteres der Fall ist."

Haider und die imaginierten Mächte

Drei Quellen nennen die Autoren für Haiders Äußerungen: die "Traditionen des völkischen oder deutschen Nationalismus, vermittelt über familiäre Sozialisation und weltanschauliche Prägung im deutschnationalen Milieu (Burschenschaften, Österreichischer Turnerbund)", die "Abwehr von Schuld und Erinnerung" und die "Inszenierung Haiders als autoritärer Rebell, der auserwählt wurde, um die Menschen zu befreien, und dafür von imaginierten Mächten oder Lobbys verfolgt wird".

Die "Tradition" des "Dritten Lagers"

Diese Punkte werden im Folgenden näher erläutert: Schiedel und Neugebauer weisen dabei unter anderem darauf hin, dass Haider und "ein großer Teil der FPÖ-Führungsriege" dem Milieu der "deutschnationalen Korporationen" entstammen. Diese weisen laut den DÖW-Experten eine lange Reihe antisemitischer Traditionen auf.

Ein Abriss über die Geschichte der FPÖ und des "Dritten Lagers" unter besonderer Berücksichtigung des Antisemitismus fehlt ebenso wenig wie eine Fülle von Fallbeispielen, die Neugebauer und Schiedel in ihrer langjährigen Tätigkeit zur FPÖ zusammengetragen haben. Haider selbst wird unter anderem mit dem "antisemitischen Standardsatz, wonach die Juden und Jüdinnen an ihrer Verfolgung selbst schuld seien", zitiert: "Es gibt genügend Leute, die sagen: 'Wir wissen jetzt, warum Antisemitismus entsteht'." (APA)

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DÖW

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