Gewerkschaften und Regierung wollen Arbeitsplätze retten

17. Oktober 2002, 21:27
posten

Weiterhin keine Garantien für den Erhalt der gefährdeten Arbeitsplätze

Rom - In der Fiat-Krise haben die italienischen Gewerkschaften bei einem Treffen mit Regierungsvertretern am Donnerstag nicht die erhofften Garantien für den Erhalt der zum Abbau bestimmten mehr als 8000 Arbeitsplätze bekommen. Beide Seiten betonten jedoch ihren Willen, eine Streichung der Arbeitsplätze zu verhindern. Der schwer angeschlagene Fiat-Konzern will im Zuge eines Sparprogramms rasch 8100 weitere Arbeitsplätze. Die Gewerkschaften protestieren seit Tagen dagegen. Auch die Regierung hat einen Hilfsplan vorgeschlagen, mit dem Arbeitsplätze erhalten bleiben sollen, in Italien wird jedoch spekuliert, dass es dem Kabinett dabei auch um mehr Einfluss bei dem notleidenden Industrieriesen gehe. Fiat hält beharrlich an dem eigenen Konzept fest.

Bis zum Abend demonstrierten mehr als 1400 Angestellte eines sizilianischen Fiat-Werks im Zentrum Roms gegen die geplante Schließung ihrer Fabrik. Zeitweise blockierten sie mehrere Straßen und legten den Berufsverkehr lahm. "Wir hatten gehofft, dass wir mit handfesten Ergebnissen nach Hause fahren könnten, aber die Regierung hat uns keine Sicherheiten dafür gegeben, dass unsere Fabrik nach dem 2. Dezember geöffnet bleibt", sagte ein Fiat-Arbeiter.

Die Gewerkschaften hätten die Regierung aufgefordert, die vom 2. Dezember an geplanten Stellenkürzungen bei dem verschuldeten Konzern zu stoppen. Italienische Medien berichteten, Gewerkschaftsvertreter hätten während der Beratungen deutlich gemacht, dass es keine Verhandlungen mit dem Unternehmen und der Regierung geben wird, solange der Turiner Konzern seinen Restrukturierunsgplan nicht im Detail den Gewerkschaften erklärt. "Falls es dann zu Verhandlungen kommt, müssen alle solange den Mund halten, bis diese abgeschlossen sind", sagte ein Gewerkschafter.

Wirtschaftsminister Giulio Tremonti erklärte den Angaben zufolge, dass die Regierung einen Berater nominieren will, der den finanziellen Rahmen des Fiat-Sanierungsplans und die Auswirkungen auf die Arbeitnehmer bewerten soll.

Die Gewerkschaften der Metallarbeiter riefen die Arbeitnehmer der Branche für den 10. November zu einem Generalstreik auf. "Die Mobilisierung soll eine Bekundung der Solidarität zu allen von den Fiat-Plänen betroffenen Arbeitern sein", hieß es. Bis zum Börsenschluss legte die Fiat-Aktie an der italienischen Börse um 1,14 Prozent auf 8,71 Euro zu. (APA/dpa)

Share if you care.