Die Suche nach der Jemaah Islamiyah

17. Oktober 2002, 20:31
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Der US-Staatssekretär für Ostasien und den Pazifik, Matthew Daley, nennt sie vorsichtshalber nur noch die "Abu-Bakar-Organisation" nach ihrem angeblichen Chef, dem indonesischen Muslimführer Abu Bakar Ba'asyir. Denn der Begriff "Jemaah Islamiyah" (JI) - "Islamische Gemeinschaft" - dürfte die Gefühle von mehr als nur einem Gläubigen verletzen, wenn er als Synonym für jenes Terrornetzwerk gebraucht wird, das sich nach Erkenntnissen der US-Geheimdienste über Südostasien erstreckt und auch Zellen in Australien haben soll. Ebenso vage wie ihr Name sind Struktur und Herkunft der Organisation.

Indonesiens Sicherheitsminister Susilo hat nun eingeräumt, dass mehrere Bürger seines Landes für die JI in Singapur und Malaysia aktiv seien. Dort sind mittlerweile rund hundert mutmaßliche JI-Mitglieder, die von indonesischen Führern angeleitet worden sein sollen, in Untersuchungshaft. Die JI tauchte aber schon an anderer Stelle in der jüngeren Geschichte Indonesiens auf: Ende der 70er- Jahre erschuf der Geheimdienst des Suharto-Regimes islamistische Gruppen, die Anschläge verübten und damit der Suharto-Partei Wähler sicherten, die sonst für die moderaten Muslime gestimmt hätten. Die Justiz nutzte damals das Komplott einer "Jemaah Islamiyah", um Ba'asyir auch gleich den Prozess zu machen. (mab/DER STANDARD, Printausgabe, 18.10.2002)

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