Opiumproduktion in Afghanistan rasant angestiegen

17. Oktober 2002, 20:28
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2.500 statt 185 Tonnen im Vorjahr - UNO: Mohnbauern haben keine Alternative

Kabul - Im Jahr nach dem Sturz der Taliban-Herrschaft ist in Afghanistan die Produktion von Opium explosionsartig angestiegen. In diesem Jahr würden wahrscheinlich mehr als 2.500 Tonnen des Rauschgifts hergestellt, verglichen mit 185 Tonnen im vergangenen Jahr, sagte der UN-Sondergesandte für Afghanistan, Lakhdar Brahimi, am Donnerstag in Kabul. Mit dieser Ernte werde Afghanistan "einen Spitzenplatz unter den Exportländern" einnehmen.

Brahimi sagte zur Eröffnung einer Drogenkonferenz in Kabul, viele arme Bauern in Afghanistan hätten keine Alternative zum Anbau von Mohn, der zur Herstellung von Opium dient. Mit dem Mohn könnten die Bauern 38 Mal mehr einnehmen als mit Weizen. Die UNO werde demnächst einen detaillierten Drogenbericht zu Afghanistan vorlegen.

Afghanistans Präsident Hamid Karsai führte den Anstieg der Drogenproduktion auch auf die unzureichende humanitäre Hilfe für das vom Bürgerkrieg zerstörte Land zurück. Viele Bauern hätten keine Alternative, hieß es in einer Erklärung Karsais, die vor der Konferenz verlesen wurde. Die internationale Gemeinschaft müsse allerdings auch darauf achten, nicht mit billigen Getreidelieferungen die Marktpreise in Afghanistan zu verderben und die Bauern dadurch zum Drogenanbau zu zwingen.

In den nächsten Wochen beginnt in den Hauptanbauregionen in der Ostprovinz Nangarhar und in der südafghanischen Provinz Helmand die Mohnaussaat. Ein Teil des afghanischen Opiums wird zu Heroin verarbeitet und in Europa und den USA verkauft. Die radikalislamische Talibanregierung hatte den Mohnanbau rigoros bekämpft. (APA)

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    Mohnernte in Jalalabad

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