"Wir haben keine Bankenkrise"

17. Oktober 2002, 19:37
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Die Sparer sind angesichts der Verluste an den Börsen beunruhigt - Doch die Finanzmarktaufsicht wiegelt ab

Wien - Zwar stehen die Geldinstitute angesichts dramatischer Kursstürze an den Börsen ebenso wie aufgrund höherer Kreditausfälle seit geraumer Zeit unter Druck. Aber "wir haben keine Bankenkrise" in Österreich, sagt Andreas Grünbichler, zusammen mit Kurt Pribil Vorstand der Finanzmarktaufsicht. Es gebe keine Probleme mit der nötigen Eigenkapitalbasis oder Liquiditätsprobleme der Banken, erklärte Grünbichler in einem Gespräch mit Journalisten am Donnerstag.

Grünbichler und Pribil traten damit den "Übertreibungen und Gerüchten" entgegen, die vor allem in Hinblick auf deutsche Banken kursieren und auch über die Landesgrenzen schwappten und so den gesamten Finanzsektor hinunterzogen. Positiv wirke sich für Österreichs Banken aus, dass sie weniger Verflechtungen mit Versicherungen hätten als deutsche Banken und nicht so stark in Aktien veranlagt hätten, was ihnen "auch in der gegenwärtigen Lage ein zufrieden stellendes Zinseinkommen" beschere. Auch wäre es richtig gewesen, frühzeitig in Ost- und Zentraleuropa ins Filialgeschäft einzusteigen, weil die Banken "einen Großteil ihrer Gewinne dort erwirtschaften können", sagte Pribil.

Nicht schönreden, nicht übertreiben

Man wolle nichts schönreden, dürfe aber auch nicht übertreiben, erklärte Pribil. Auch Versicherungsnehmer könnten sich darauf verlassen, dass die garantierten Leistungen ausbezahlt werden - zwar könne es zu schmäleren Erträgen kommen, aber es gebe keinen Grund zu Befürchtungen, dass die jeweils gesetzlich garantierten Eckpunkte (Kapitalgarantie oder Zinsgarantie, je nach Produkten) gefährdet wären.

Allerdings seien die Versicherungen in einer Strukturreform, die noch nicht abgeschlossen sei. Bis 1995 hätten die Versicherungen in einem anderen Umfeld agiert und durften nur von der staatlichen Aufsicht genehmigte Produkte auf den Markt bringen; jetzt würden aufgrund der EU-Richtlinien die Unternehmen frei agieren, die FMA prüft dann, was die Versicherungen auf den Markt bringen. "Aber in Österreich gibt es zum Glück keine Krise von Unternehmen in Notlagen", beruhigte Pribil.

Die seit April 2002 tätige Finanzmarktaufsicht bündelt die Aufsicht über Banken, Börsen, Versicherungen und Pensions- und Mitarbeiterkassen (MKV). Überwacht werden derzeit 885 Banken, 117 Versicherungen, 347 Wertpapierdienstleister, 22 Kapitalanlagegesellschaften, 20 Pensionskassen und die ersten sieben MKV. (spu/DER STANDARD Print-Ausgabe, 18.10.2002)

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