Krebsheilmittel aus der Tabakpflanze

17. Oktober 2002, 19:15
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Blätter sollen Antikörper produzieren

Berlin - Ausgerechnet mithilfe jener Pflanze, die am häufigsten mit der Entstehung von Krebs in Zusammenhang gebracht wird, wollen US-Forscher Tumoren bekämpfen - mit Tabak.

Konkret geht es um die Behandlung so genannter Non-Hodgkin-Lymphome (NHL), berichtet Die Welt am Donnerstag. Das sind bösartige Tumoren des lymphatischen Gewebes. Die Krebszellen tragen bestimmte Eiweiße auf ihrer Oberfläche, die vom Immunsystem als fremd erkannt werden und eine zumindest schwache Immunreaktion auslösen. Diese jedoch zu therapeutischen Zwecken zu nutzen, gelang bisher noch nicht wirklich. Aus zwei Gründen.

Zum einen sind die Fremdeiweiße der Tumorzellen keine Antigene im klassischen Sinn sondern Antikörper in der Art, wie sie das Immunsystem des Menschen selbst produziert. Und zum anderen bildet jedes NHL eine andere Art Antikörper. Jeder Tumor ist also ganz individuell gebaut.

Genau hier, schreibt die deutsche Zeitung, soll die Tabakpflanze als Mittel zum Zweck dienen, um große Mengen hochspezifischer Antikörper herzustellen.

Dazu werde das Tabakmosaikvirus (TMV), ein Erreger, der sich auf die nikotinhaltigen Blätter der Pflanze spezialisiert hat, infiziert. Und zwar mit jener Gensequenz aus den Tumorzellen eines Patienten, die für den charakteristischen Antikörper eines NHL codiert. So werde die Tabakpflanze zu einem hocheffektiven Bioreaktor: Das TMV vermehre sich in den Blättern, und bei der Verdoppelung seiner eigenen Erbsubstanz werde auch die Gensequenz für den Antikörper abgeschrieben - und daraus synthetisiere die befallene Pflanze Tumorantikörper, die man nur noch "abernten" und den Patienten verabreichen müsse. Erste Versuche in den USA seien Erfolg versprechend. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18. 10. 2002)

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