Buchhalterin versus Kommissarin

17. Oktober 2002, 19:17
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Schreyer verteidigt sich in der Affäre um die Brüsseler Buchführung

Brüssel - EU-Budgetkommissarin Michaele Schreyer steht derzeit wegen der Rechnungsführung der Brüsseler Behörde in der Kritik. Im Gespräch mit dem STANDARD verteidigt sie sich gegen die Vorwürfe ihrer suspendierten Chefbuchhalterin Marta Andreasen.

Die Spanierin, die vor ihrer Einstellung durch Schreyer schon bei der OECD suspendiert worden war, kritisiert das EU-Buchführungsystem. Andreasen moniert zwar keine konkreten Betrugsfälle, verurteilt aber, dass das System Manipulationen erlaube.

Ihre Chefin Michaele Schreyer betont: "Wir haben ein Rechungswesen, wie es auch die Mitgliedsstaaten für den öffentlichen Haushalt haben und führen zunehmend betriebswirtschaftliche Elemente ein". Sie habe Andreasen erfolglos aufgefordert, ihre Vorwürfe schriftlich zu konkretisieren. "Der Ansatz, alle anderen haben Unrecht und nur eine Person hat Recht, das erlebt man manchmal auch auf der Autobahn mit den Geisterfahrern."

Das Disziplinarverfahren gegen Andreasen begründet Schreyer so: "Ihre Einstellung erfolgte unter falschen Voraussetzungen. Sie hat nicht bekannt gegeben, dass sie von ihrer vorherigen Dienststelle suspendiert worden ist. Dann genau in dieser Funktion tätig sein zu wollen, halte ich nicht für den besten Ausweis von Glaubwürdigkeit."

Die Konflikte mit der Chefbuchhalterin hätten in März begonnen: Basis für die Tätigkeit Andreasens sei Kritik des EU-Rechnungshofs zum Buchführungssystem gewesen. Ein erster Reformplan habe vorgelegen. Dem sei Andreasen "schlicht nicht nachgekommen". Die Chefbuchhalterin habe sich nicht einmal in das System eingeloggt, sagt Schreyer: "Ich erwarte schon, dass jemand nicht nur schreibt, was kritikwürdig ist, sondern dass die Arbeit auch gemacht wird." (ina, jwo/DER STANDARD Print-Ausgabe, 18.10.2002)

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