Erstes Handy ohne Tastatur

17. Oktober 2002, 20:17
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Der österreichische Hersteller von Mobiltelefonen und MP3-Geräten, Tel.Me, geht bei seinem jüngsten Handy neue Wege

Anstatt einer auf Text und Zahlen basierenden Menüführung gibt es nur mehr Icons, die mit dem Finger oder einem Stift angeklickt werden.

Komplizierter

Je mehr Funktionen in die Handys verpackt werden, desto komplizierter wird das Navigieren innerhalb des Betriebssystems, weiß jeder Mobiltelefonbenutzer aus eigener leidvoller Erfahrung. Gleichzeitig versuchen die Handyhersteller, neue Märkte - vor allem in Asien und im arabischen Raum - zu erobern. Das Umprogrammieren der Benutzerführung ist dabei eine kostspielige, zeitraubende Angelegenheit.

MMS

Der junge österreichische Hersteller von Mobiltelefonen und MP3-Playern, Tel.Me, hat deshalb bei seinem jüngsten Handy t919, das über alle gängigen Multimedia-Messaging-Funktionen (MMS) verfügt, die Tastatur ganz weggelassen und stattdessen ein großes Farbdisplay in das t919 eingebaut. Über dieses kann man eine "gewöhnliche" Handytastatur auswählen oder ein Keyboard mit dem Alphabet. "Wir sind damit die Ersten, die ein MMS-Handy mit einer ausschließlich virtuellen Tastatur haben", sagt Manfred Jahn, CEO der Tel.Me.

Wegen des "Entertainment"-Charakters von MMS zielt das 499 Euro teure Gerät, das ab Ende November in den Handel kommt, auf den Privatkunden "und ist sicherlich ein Nischenprodukt", sagt Jahn. 25.000 Stück will er trotzdem davon noch heuer absetzen - hauptsächlich nach Hongkong, Großbritannien, Deutschland, Schweden und Spanien.

Know-how-Center angezapft

Für die Entwicklung von Hightech-Geräten wie das t919 zapft Tel.Me, die in Österreich nur 16 Leute beschäftigt, gegen Entgelt Know-how-Center in der ganzen Welt an. Die Entwicklung wurde vom französischen Ableger von Texas Instruments durchgeführt, der koreanische Bauteilehersteller Maycom fertigt die Plastikteile. Zusammengebaut werden die Handys von Elcotec in Tallin.

Um das schnelle Wachstum von Tel.Me - heuer stieg der Umsatz um 300 Prozent auf zehn Mio. Euro, das Betriebsergebnis war positiv - durchhalten zu können, will Jahn mit Maycom nächstes Jahr eine Partnerschaft dahingehend eingehen, dass Maycom die Tel.Me-Produkte herstellt und unter eigener Marke in Asien verkauft. (ruz, DER STANDARD Printausgabe, 18. Oktober 2002)

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Tel.Me

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