Bis 2020 ist der Kilimandscharo "oben ohne"

18. Oktober 2002, 11:08
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US-Geologen vergleichen Isotopenmessungen und antike Geschichte - Prognose für endgültiges Abschmelzen der fast 12.000 Jahre alten Gletscher erstellt

Washington - Die Jahrtausende alten Gletscher auf Afrikas höchstem Berg, dem Kilimandscharo in Tansania, werden im Zuge der globalen Erwärmung bis etwa 2020 geschmolzen sein. Das sagt ein Team amerikanischer Geologen voraus.

Die US-Forscher errechneten, dass die Eisfelder auf dem Kilimandscharo pro Jahr mindestens einen halben Meter Höhe verlieren. Bei der Untersuchung von sechs Bohrkernen aus dem Gletschereis des 5895 Meter hohen Berges fanden die Forscher zudem, dass Afrikas Tropen vor 8.300, vor 5.200 und zuletzt vor 4.000 Jahren von teils Jahrhunderte langen Dürreperioden heimgesucht wurden.

Gletscher auf dem Kilimandscharo vor rund 11.700 Jahren gebildet

Im Wissenschaftsjournal "Science" vom Freitag berichtet das Team um Lonnie Thompson von der Staatlichen Universität Ohios in Columbus von seinen Studien am Eis des Kilimandscharo. Danach half den Forschern unter anderem das Isotop Chlor-36 bei der Zeitbestimmung. Chlor-36 ist ein radioaktives Überbleibsel von Atombombentests in den Jahren 1951 und 1952, das auch bei Studien in Südamerika und China schon aufgefallen war.

Thompson und Kollegen kamen zu dem Ergebnis, dass sich die Gletscher auf dem Kilimandscharo vor rund 11.700 Jahren gebildet hatten. Rund 2.000 Jahre später war der Berg "von einer weitaus feuchteren Landschaft als heute umgeben", berichten die Forscher in "Science". So habe der Tschad-See damals den Umfang des Kaspischen Meers gehabt, etwa das 20fache seiner gegenwärtigen Ausmaße. Ein halbes Jahrtausend später, vor rund 8.300 Jahren, setzte nach Erkenntnis von Thompson dann eine große Dürre ein. "Wir glauben, dass Afrikas Seen zu jener Zeit auszutrocknen begannen."

Hinweise auf Dürreperioden

Aus einem abrupten Rückgang von Sauerstoff-18-Isotopen vor rund 5.200 Jahren schließen die Forscher auf die nächste Dürreperiode. Sie fällt auf genau jene Zeit, in der nach Erkenntnis von Anthropologen die ersten Städte und Gesellschaftsstrukturen in der Region gebildet wurden. Staubablagerungen in den Bohrkernen weisen auf eine dritte schwere Dürre vor rund 4.000 Jahren hin, die laut Thompson rund 300 Jahre lang anhielt. Historische Daten bestätigten, dass das Reich der Pharaonen im alten Ägypten zu genau jener Zeit von einer schlimmen Trockenperiode bedroht war, schreiben die Forscher.

Bereits im vergangenen Jahr hatten Forscher prophezeit, der Kilimandscharo werde wegen der raschen Schneeschmelze in weniger als 15 Jahren nicht mehr wiederzuerkennen sein. Das Wahrzeichen Afrikas habe seit Beginn der Aufzeichnungen 1912 bereits mehr als 80 Prozent seiner Schnee- und Eisfelder verloren, berichtete Thompson damals auf dem Kongress der Amerikanischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften (AAAS). (APA/dpa)

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    foto: der standard
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