Italien denkt vor "Sozialforum" an Sperrung der Grenzen

18. Oktober 2002, 11:49
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Polizeichef fürchtet "Black Block"-Invasion - Organisatoren unterbrechen aus Entrüstung Verhandlungen mit der Polizei

Rom - Im Vorfeld des ersten Europäischen Sozialforums in Florenz überlegt Rom eine Sperrung der Grenzen. Ein entsprechender Antrag wurde von Polizeichef Gianni De Gennaro, der für die Sicherheitsmaßnahmen in Hinblick auf den fünftägigen Treffen vom 6. bis 11. November zuständig ist, bei der Regierung gestellt. Das Schengen-Abkommen außer Kraft zu setzen, sei ein Weg um eine mögliche Invasion von Mitgliedern der Anarchistenbewegung "Black Block" aus Österreich, Deutschland und Spanien zu verhindern, betonte De Gennaro laut italienischen Medien vom Donnerstag. Befürchtet wird eine Invasion extremistischer Anarchisten.

"Die Sperrung der Grenzen ist für einen friedlichen Verlauf des Treffens notwendig", meinte De Gennaro in einem Bericht vor dem für die Geheimdienste zuständige Parlamentsausschuss. Italien rechnet, dass mindestens 150.000 Personen an einer Demonstration am 9. November teilnehmen werden.

Entrüstung bei Organistatoren

Die Forderung De Gennaros, die Grenzen zu sperren, löste die Entrüstung der No Global-Bewegungen aus, die an der Organisation des Sozialforums arbeiten. Aus Protest unterbrachen sie die Verhandlungen mit dem Florentiner Polizeichef Achille Serra, der für die Sicherheit des Gipfels in der toskanischen Stadt zuständig ist. Die städtischen Behörden befürchten Krawalle wie beim G-8-Gipfel in Genua im Juli 2001, bei denen ein Globalisierungsgegner ums Leben gekommen und die Stadt verwüstet worden war.

Rund 5.000 Polizisten sollen für die Sicherheit in Florenz sorgen. "Florenz ist nicht Genua. In dieser Stadt bedeutet auch ein Kratzer, der einem Denkmal zugefügt wird, einen enormen Schaden", sagte der Polizeichef von Florenz. Als Schutz gegen eine im November erwartete "Invasion" von Globalisierungsgegnern will Florenz seine Kunstschätze und Denkmäler "verpacken". Alle Statuen der Stadt sowie der Brunnen des Neptuns, die Fassaden der Uffizien und der Basilika Santa Maria Novella sollen mit Gerüsten und Plastikmaterial bedeckt werden, als würden sie Renovierungsarbeiten unterzogen, berichteten italienische Medien.(APA)

  • Bilder vom Sozialforum in Genua, das im vergangenen Jahr am Rande des G8- Gipfels stattgefunden hat. Bei Demonstrationen wurde der 23-jährige Globalisierungsgegner Carlo Giuliani getötet, zahlreiche DemonstrantInnen wurden teils schwer verletzt. In der Folge hatte die italienische Linksopposition wiederholt den Rücktritt von Polizeichef De Gennaro gefordert.
    foto: epa/ansa/filippo monteforte

    Bilder vom Sozialforum in Genua, das im vergangenen Jahr am Rande des G8- Gipfels stattgefunden hat. Bei Demonstrationen wurde der 23-jährige Globalisierungsgegner Carlo Giuliani getötet, zahlreiche DemonstrantInnen wurden teils schwer verletzt. In der Folge hatte die italienische Linksopposition wiederholt den Rücktritt von Polizeichef De Gennaro gefordert.

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