Wie es zur Teilung Koreas kam

17. Oktober 2002, 16:42
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Die wesentlichen Weichenstellungen erfolgten in vollem Einvernehmen zwischen Washington und Moskau

Wien - Die Teilung Koreas wird gemeinhin auf die Gegensätze zwischen dem Westen und der Sowjetunion zurückgeführt, die nach dem Zweiten Weltkrieg zum Durchbruch kamen. Tatsächlich erfolgten die wesentlichen Weichenstellungen in vollem Einvernehmen zwischen Washington und Moskau. Bereits im Februar 1945 wurde in Jalta für den Fall militärischer Operationen gegen Japan der 38. Breitengrad als Demarkationslinie auf der Halbinsel festgelegt.

Im Dezember 1943 hatten Churchill, Roosevelt und Tschiang Kai-schek in der Kairoer Erklärung den Koreanern "Freiheit und Unabhängigkeit zu gegebener Zeit" in Aussicht gestellt. Das ehemalige Kaiserreich Korea war seit 1910 japanische Kolonie. Die 1919 in Shanghai gebildete koreanische Exilregierung unter Syngman Rhee war 1940 der nationalchinesischen Regierung nach Tschungking gefolgt. Japans Kapitulation am 15. August 1945 löste in Korea Jubelstürme aus.

Kriegsende

Der japanische Generalgouverneur Abe Nobuyuki nahm nach der Kapitulation Kontakt zu koreanischen Politikern auf, die einen Unabhängigkeitsausschuss bildeten. Am 6. September trat in Seoul, das den japanischen Namen Keijo abgelegt hatte, ein Kongress von über tausend "Volksvertretern" zusammen und bestellte eine Koalitionsregierung. Der Vorsitz sollte Syngman Rhee zufallen, der sich noch im Ausland aufhielt.

Der Traum von der raschen Unabhängigkeit wurde aber schon am 2. September erschüttert, als US-General Douglas MacArthur kundmachte, dass sich die Japaner nördlich des 38. Breitengrades den sowjetischen Truppen (Stalin hatte noch am 8. August Japan den Krieg erklärt) und südlich davon den Amerikanern zu ergeben hätten. Am 7. September verkündete MacArthur: "Alle Regierungsgewalt über das koreanische Territorium südlich des 38. Grades nördlicher Breite und dessen Bevölkerung wird einstweilen unter meinem Befehl ausgeübt". Als der amerikanische General John Hodge am 8. September bei Inchon an Land ging, um die japanische Kapitulation entgegen zu nehmen, weigerte er sich, die Delegation der neuen koreanischen Regierung zu empfangen, die sich zu seiner Begrüßung eingefunden hatte.

Erneut keine Selbstbestimmung

Die Teilung des befreiten Landes in zwei Besatzungszonen bedeutete die neuerliche Entmündigung des von den Japanern dreieinhalb Jahrzehnte unterjochten koreanischen Volkes. In Kairo war den USA, Großbritannien und China eine Art "Treuhandschaft" über Korea vorgeschwebt, an der auch die UdSSR beteiligt werden sollte. Auf der Potsdamer Konferenz sollte das alliierte Vorgehen in Korea nur am Rande behandelt werden.

Im Gegensatz zu den Amerikanern, denen sich die Japaner widerstandslos ergaben, musste die sowjetische Armee die nördliche Zone gegen den erbitterten Widerstand der geschlagenen Kolonialmacht erobern. Ohne selber eine Militäradministration zu bilden, steuerte Moskau die politische Entwicklung aus dem Hintergrund durch so genannte "Volksausschüsse". Im Westen wurde vielfach angenommen, dass die Sowjetunion den Partisanenführer Kim Il Sung von Beginn an als Statthalter vorgesehen hatte. Diese Vermutung ist ebenso unbewiesen wie die kommunistische These, die Amerikaner hätten von langer Hand geplant, den im Oktober 1945 heimgekehrten Syngman Rhee als ihre "Marionette" einzusetzen.

Der Weg des Nordens

Im Norden konstituierte sich Ende 1945 ein "Provisorischer Volksausschuss" unter Vorsitz des Presbyterianer-Pastors Cho Man Shik, der schon nach kurzer Zeit kaltgestellt wurde. Im Februar 1946 wurde Kim Il Sung zum Vorsitzenden gewählt. Das Bekanntwerden der alliierten Pläne für eine fünfjährige Treuhandverwaltung rief in ganz Korea wütende Proteste hervor. Während die Kommunisten die Pläne im Auftrag Moskaus offiziell unterstützten, waren Nationalisten und Bürgerliche entschieden dagegen.

Der Streit war so heftig, dass die Treuhand-Regelung nicht realisiert werden konnte. Die amerikanische Militärverwaltung identifizierte sich schließlich voll mit der antikommunistischen Haltung der südkoreanischen Rechten um Syngman Rhee. 1947 war der Ost-West-Konflikt unter koreanischer Mitwirkung als Nord-Süd-Konflikt in den Fernen Osten verpflanzt worden. (APA)

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