Entscheidung im Rechtsstreit um Suhrkamp Verlag

17. Oktober 2002, 16:03
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Verleger Joachim Unseld unterliegt Vater Siegfried

Streit um Änderungen in der Gesellschafterstruktur der Verlage

Frankfurt/Main (APA/dpa) - Im Rechtsstreit zwischen dem Suhrkamp-Verleger Siegfried Unseld und seinem Sohn Joachim um Änderungen in der Gesellschafterstruktur der Verlage ist der Sohn endgültig unterlegen. Das Frankfurter Oberlandesgericht wies am Dienstag Joachim Unselds Berufung gegen ein Landgerichtsurteil vom Jänner 2001 zurück, wie beide Parteien am Donnerstag mitteilten. Eine Revision ist nicht zugelassen.

Damit muss Joachim, Chef der Frankfurter Verlagsanstalt, den bereits zum 1. Jänner 1999 erfolgten Veränderungen der Gesellschafterverhältnisse bei Suhrkamp und Insel zustimmen. Die dazu nötige Unterschrift beim Handelsregister hatte er nur unter der Bedingung geleistet, dass er dafür einen eigenständigen Beiratssitz in der Verlagsleitungs-GmbH bekomme. Dieser bleibt ihm nun jedoch verwehrt. Das Gericht sah - anders als Joachim Unseld - kein Junktim zwischen der Unterschrift und dem Beiratssitz.

Firmengeflechte

Hintergrund des Streits ist, dass der Sohn zwar als Kommanditist mit 20 Prozent am Suhrkamp und am Insel Verlag beteiligt ist, aber keine Anteile an der beiden Verlagen übergeordneten Verlagsleitungs- GmbH hält. Deren Gesellschafter sind Siegfried Unseld (55 Prozent) und die Schweizer Gebrüder Volkart Holding AG (45 Prozent). Die GmbH hat einen vierköpfigen Beirat, dessen vier Sitze sich die beiden Gesellschafter teilen. Joachim Unseld hatte zwar 1999 einen Sitz von der Volkart Holding übertragen bekommen und ist seitdem Mitglied des Beirats, er besteht jedoch auf einem vertraglich gesicherten eigenständigen Sitz.

Der Beirat, dem außer den beiden Unselds noch der Volkart-Vertreter Andreas Reinhart und der Suhrkamp-Anwalt Heinrich Lübbert angehören, berät die Verlagsleitungs-GmbH und muss der Bestellung und Abberufung der Suhrkamp- und Insel-Geschäftsführer zustimmen. Die Veränderungen der Gesellschafterverhältnisse im Jahr 1999 betrafen zum einen den Verkauf des früher zu Suhrkamp gehörenden Nomos Verlags (Baden-Baden) an den wissenschaftlichen Springer Verlag (Heidelberg). Zum anderen hatte die Volkart Holding 21 Prozent ihrer Anteile an Suhrkamp und an Insel auf Siegfried Unseld übertragen. Seitdem hält dieser an Suhrkamp und Insel als Kommanditist mit 51 Prozent die Mehrheit. Die Volkart Holding hält noch 29 Prozent, Sohn Joachim 20 Prozent. Siegfried Unselds Anteile gehen nach seinem Tod auf eine Stiftung über, die die Kontinuität der Verlage sichern soll. (APA/dpa)

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