Erneut 100 Asylwerber aus Bundesbetreuung entlassen

17. Oktober 2002, 16:44
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Laut NGOs "stehen hunderte Betten in Traiskirchen leer"

Wien - Auch heute werden nach Angaben der österreichischen Hilfsorganisationen wieder 100 AsylwerberInnen aus der Bundesbetreuung entlassen. Wenn die NGOs für sie keine Unterkunft fänden, stünden die Flüchtlinge auf der Straße, bedauerte Werner Kerschbaum vom Roten Kreuz in einer gemeinsamen Aussendung mit Caritas, Diakonie, Volkshilfe und Arbeitersamariterbund die Haltung des Innenministeriums. Die Gespräche mit dem Bund verliefen weiterhin ergebnislos, betonten die Hilfsorganisationen.

Angeboten worden seien lediglich analoge Verträge zum Kontrakt mit der deutschen Organisation European Homecare, die künftig die Rückkehrberatung im Auftrag des Innenministeriums erledigen soll. Allerdings hatten die NGOs schon im Vorhinein klar gemacht, dass ein Betreuungszeitraum von einer Woche nicht ausreichend ist. Überdies weigern sich die Hilfsorganisationen, Asylsuchende im Extremfall auf die Straße zu stellen. Der Bitte um einen Entlassungsstopp habe das Ministerium aber bei Gesprächen am Mittwoch nicht zugestimmt. Zumindest würden künftig die Länder über anstehende Entlassungen informiert, damit die NGOs mit den jeweiligen Landesstellen Maßnahmen zur Vermeidung von Obdachlosigkeit treffen könnten.

Hunderte Betten leer

Nach Darstellung der NGOs stehen im Flüchtlingslager Traiskirchen durch die Entlassungen aus der Bundesbetreuung mittlerweile hunderte Betten leer, während die Notunterküfte der Hilfsorganisationen komplett voll seien: "Minister (Ernst) Strasser redet zwar davon, Obdachlosigkeit vermeiden zu wollen, doch setzt er gleichzeitig hundert Flüchtlinge auf die Straße", meinte Diakonie-Direktor Michael Chalupka.

Für die Caritas erklärte Generalsekretär Stefan Wallner, dass die Hilfsorganisationen unabhängig von der Verpflichtung einer deutschen Privatfirma eine eigenständige Rückkehrberatung "nach humanitären Standards" durchführen würden. Die Freiwilligkeit sei hier ein wesentliches Kriterium für den Erfolg der Maßnahmen. In Deutschland seien 80 Prozent aller unfreiwillig heimgeschickten AsylwerberInnen später wieder in das Land zurückgekehrt. (APA)

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