Alternative Telekom-Anbieter sehen sich nicht als "Preisterroristen"

18. Oktober 2002, 13:33
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VAT übt heftige Kritik an "plumper Gefälligkeitsstudie" von Kreutzer, Fischer & Partner

Österreichs Telekom-Kunden haben sich seit Liberalisierung im Jahr 1998 insgesamt rund 5 Mrd. Euro an Telefonkosten erspart. Dies behauptet zumindest der Verband Alternativer Telekom-Netzbetreiber (VAT) am Donnerstag in einer Pressemitteilung. Vorwürfe des Beratungsunternehmens Kreutzer, Fischer & Partner, die die Alternativen angesichts der großen Preisersparnis als "Preisterroristen" bezeichnen, weisen die Telekom-Betreiber darin entschieden zurück.

"Plumpe Gefälligkeitsstudie"

VAT-Präsident und One-Geschäftsführer Jorgen Bang-Jensen spricht von einer "plumpen Gefälligkeitsstudie" aus dem "monopolistischen Eck". Die in der Kreutzer-Studie gezogene negative Bilanz der Telekom-Liberalisierung sei "eine falsche Schlussfolgerung". Der durch die alternativen Betreiber ausgelöste Wettbewerb habe den Kunden "niedrigere Telefonkosten, dem Arbeitsmarkt mehr Jobs und der Volkswirtschaft mehr Investitionen gebracht", so der VAT.

"Nutznießer und Komplizen terroristischer Handlungen"

Die Telekom-Kunden würden durch die Studie als "Nutznießer und Komplizen terroristischer Handlungen" denunziert. Dieser Zusammenhang sei eine "unerhörte Geschmacklosigkeit", meint Bang-Jensen. Zudem ziehe Kreutzer, Fischer & Partner "aus falschem und unvollständigem Datenmaterial falsche Schlussfolgerungen".

So sei etwa das gesamte Verkehrsaufkommen zwischen 1998 und 2001 um 159 Prozent und nicht um 60 Prozent gestiegen, wie die Kreutzer-Studie behauptet. Die Festnetz-Telefontarife seien um 60 Prozent und nicht um 30 Prozent gesunken. Und die Investitionen seien seit 1998 nicht bis 2001 auf 550 Mill. Euro zurückgegangen, sondern hätten sich allein im Festnetz 2001 immer noch auf fast 800 Mill. Euro belaufen. Die Gesamtinvestitionen der Telekom-Betreiber seien von 1998 auf 2001 um rund 23 Prozent gestiegen, insgesamt seien in diesem Zeitraum 7,2 Mrd. Euro investiert worden. Dabei hätten im Jahr 2001 die alternativen Betreiber immer noch um 216 Mill. Euro mehr investiert als die gesamte Telekom Austria-Gruppe, wettert der VAT.

Nach wie vor

Auch bei den Umsätzen habe es entgegen den Zahlen der Studie ein deutliches Wachstum von 41 Prozent gegeben, und der umsatzbezogene Marktanteil der Telekom Austria betrage im Festnetz nach wie vor mehr als 70 Prozent, und nicht wie im "Branchenradar" von Kreutzer behauptet 54 Prozent - das habe erst Ende September von der Telekom-Control Kommission mit Bescheid festgestellt, so der VAT weiter.

Seit Beginn der Liberalisierung 1998 bis 2001 seien 15 Prozent zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen worden. Durch die gesunkenen Preise sei das Telefon-Aufkommen gestiegen. Am gesamten Telekom-Markt habe sich durch die Liberalisierung ein Wohlfahrtsgewinn für Firmen und Konsumenten Höhe von 5,22 Mrd. Euro gegeben. Dem stünden Verlusten auf Betreiberseite im Ausmaß von 1,91 Mrd. Euro gegenüber, woraus sich ein Plus von 3,31 Mrd. Euro für die Gesamtvolkswirtschaft ergebe, betonen die alternativen Betreiber. (APA)

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    foto: standard/semotan
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