Neun Rücktritte an Innsbrucker Uni

17. Oktober 2002, 14:50
posten

Mittelbau fordert seine Verankerung in neuem Uni-Gesetz - Protest gefährdet "normalen" Betrieb

Innsbruck - Insgesamt neun (von 20) Studienkommissions-Vorsitzende der Geisteswissenschaftlichen Fakultät der Uni Innsbruck haben ihr Amt zurückgelegt, eine Nachbesetzung ist vorerst noch nicht zu Stande gekommen. Grund für den Protest ist die Einführung des neuen Universitätsgesetzes mit 1. Oktober, wonach die Mitbestimmung des akademischen Mittelbaus deutlich eingeschränkt werden soll. Die Rücktritte seien die "erste negative Auswirkung des neuen Gesetzes", erklärten die Uni-Bediensteten am Donnerstag.

Arbeit des Mittelbaus nicht mehr verankert

Eine für vergangenen Freitag angesetzte Neuwahl war nicht zu Stande gekommen. ProfessorInnen und StudentInnen hatten sich mit den Mitgliedern des Mittelbaus (AssistentInnen) solidarisch erklärt und so einen Urnengang verhindert. "Jetzt wurschteln wir halt noch vor uns hin. Wir hoffen auf eine baldige Gesetzesänderung", erklärte der Dekan, Univ.-Prof. Elmar Kornexl bei dem gemeinsamen Medientermin in der Tiroler Landeshauptstadt. Univ.-Prof. Wolfgang Hackl, zurückgetretener Studienkommissions-(Stuko)-Vorsitzender des Instituts für deutsche Sprache, brachte die Kritik auf den Punkt: "Das Gesetz gefährdet die Arbeit der Unis." Da darin die Funktion der Studienkommission nicht mehr angeführt sei, müsse die Rolle des Mittelbaus neu verankert werden. Denn ohne dieser Funktion gäbe es in einigen Studienbereichen "große Notstände", strich Kornexl die "wichtige und wertvolle Arbeit" des Mittelbaus hervor.

Personen gesucht, die sich wählen lassen

Bis nächste Woche wurde eine Nachfrist gesetzt, um eine Wahl herbeizuführen. Sollte auch dieser Termin platzen, müsse schließlich bei einer außerordentlichen Fakultätssitzung eine Entscheidung erwirkt werden, führte Univ.-Prof. Karlheinz Töchterle, Vorsitzender des Fakultätskollegiums an. "Wir werden uns ernsthaft bemühen, Leute zu finden, die sich wählen lassen", versprach Kornexl. Neben Uni-ProfessorInnen sollen zu diesem Kreis auch Personen aus dem Mittelbau zählen.

Protest darf den Uni-Betrieb nicht verzögern

Seit Beginn des heurigen Wintersemesters werde versucht, die fehlenden Positionen der zurückgetretenen Stuko-Vorsitzenden einstweilen provisorisch zu ersetzen. Um "Notfälle", wie etwa die Anrechnung von Lehrveranstaltungen, kümmere sich momentan der Studiendekan. "Ich kann die Enttäuschung und die Frustration des Mittelbaus verstehen", sagte der Rektor, Univ.-Prof. Hans Moser. Der Protest dürfe aber nicht den Uni-Betrieb verzögern, da die Leidtragenden vor allem die Studenten wären. Moser forderte daher "rasche Bereinigung der schwierigen Situation". (APA)

Share if you care.