UNO-Tribunal: Aussage unter Ausschluss der Öffentlichkeit

17. Oktober 2002, 14:09
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Nach Drohungen gegen Belgrader Journalisten

Belgrad/Den Haag - Der Belgrader Journalist Jovan Duluvic hat am Donnerstag seine Aussage im Prozess gegen den ehemaligen jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic vor dem UNO-Tribunal für Kriegsverbrechen in Den Haag unter Ausschluss der Öffentlichkeit fortgesetzt. Dies war veranlasst geworden, nachdem die Belgrader Behörden die Tribunalsanklage über an Duluvic gerichtete Drohungen unterrichtet hatten. Es blieb zunächst unklar, welches Ausmaß die Drohungen hatten.

Duluvic, ein Mitarbeiter der Wochenzeitschrift "Vreme", hatte am Mittwoch ausführlich über die Geschehnisse in der ostkroatischen Stadt Vukovar nach ihrer Eroberung durch die jugoslawischen Streitkräfte und serbische Milizen im November 1991 berichtet. In seiner Aussage erwähnte er mehrere Polizei- und Militäroffiziere, aber auch Anführer serbischer Milizen sowie den Ultranationalistenführer Vojislav Seselj dem er ebenfalls in Vukovar begegnet war. Laut Duluvic waren rund 260 kroatische Gefangene auf dem Landgut Ovcara bei Vukovar in der Nacht vom 20. auf 21. November 1991 von Angehörigen der Milizen Seseljs getötet worden. Duluvic hatte zuvor gesehen, wie die Gefangenen aus dem Krankenhaus von Vukovar in Lkws abgeführt wurden.

Am vergangenen Donnerstag hatte vor dem UNO-Tribunal auch schon ein anderer "Vreme"-Mitarbeiter ausgesagt. Dejan Anastasijevic wies dabei darauf hin, dass die kroatischen Gefangenen seines Wissens nicht vom Militär, sondern von Angehörigen der serbischen Territorialverteidigung ermordet worden waren. Zum Kriegsbeginn im Herbst 1991 hatten in Ostslawonien etliche Parteimilizen gewirkt, die sich auch als Bestandteil der Territorialverteidigung ausgegeben hatten. (APA)

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