Keine Kassenstelle für eine Gynäkologin

17. Oktober 2002, 13:53
1 Posting

Disput in Klagenfurt: Haupt nimmt SPÖ-Forderung auf und wirft GKK "Frauenfeindlichkeit und skandalöses Verhalten" vor

Klagenfurt - Zwischen Gesundheitsminister Herbert Haupt (F) und der Kärntner Gebietskrankenkasse ist es zu einem Disput um zwei neue Kassenstellen für Gynäkologinnen in Klagenfurt gekommen. Der Minister und und der Klagenfurter FP-Stadtrat für Soziales, Frauen und Familie, Christian Scheider, warfen in diesem Zusammenhang der GKK "Frauenfeindlichkeit" vor. Von der Kasse wird dies entschieden zurückgewiesen.

GKK schuld an "unerträglichem" Zustand

Der GKK wäre der "Wunsch nach einer Gynäkologin auf einer Kassenstelle schon längst bekannt und auch aktenkundig", hatte Haupt, der in seinem Ressort auch die Belange der Frauen vertritt, am Mittwoch erklärt. Er nannte es "skandalös", dass die Gebietskrankenkasse auf der Bremse stehe und die mehr als berechtigten Wünsche der Frauen negiere. Er bedauere, dass er zwar Aufsichtsorgan der Gebietskrankenkasse sei, aber keine direkten Durchgriffsmöglichkeiten habe, betonte der Minister. Die Entscheidungen würden ausschließlich in der Selbstverwaltung und hier bei Obmann Helmut Pansi und Geschäftsführer Alfred Wurzer liegen.

Der Klagenfurter Stadtrat Christian Scheider nannte die Kärntner Gebietskrankenkasse "mehr als säumig ". Es sei unerträglich, dass es in Klagenfurt keine Gynäkologin auf einer Kassenstelle der GKK gebe. "Aber darüber hinaus ist es schlicht und einfach skandalös, dass es in ganz Kärnten keine einzige Kassenstelle für eine Gynäkologin gibt", erklärte Scheider. Dies könne einfach nicht akzeptiert werden.

Die Vorsitzende der SPÖ-Frauen Melitta Trunk zeigte sich indes von der FP-Forderung überrascht: "Bereits Anfang Oktober habe ich auf das Thema auch mittels Presseaussendung aufmerksam gemacht und einen Appell an die Ärztekammer und die Gebietskrankenkasse gerichtet. Dass sich der Bundesminister mit zehn Tagen Verspätung jetzt der Forderung anschließt, empfinde ich als positiv, ist aber auch Zeichen, dass er erkennt, was die Frauenpolitik, die er und Ministerin Sickl betrieben haben, alles verabsäumt hat", so Trunk.

GKK: Für "Frauen-Punktebonus" ist Haupt zuständig

In einem Offenen Brief weisen Pansi und Wurzer die Vorwürfe entschieden zurück und betonen, dass gerade das in Kärnten bestehende Reihungsverfahren zu den objektivsten im Bundesvergleich zähle. Eine Frauenbevorzugung bzw. Quotenregelungen sei weder in einschlägigen ÄrztInnenausbildungsgesetzen, Richtlinien oder sonstigen gesetzlichen Bestimmungen, noch im ASVG vorgesehen und würde auch den Gleichheitsgrundsätzen widersprechen. Würde die Kärntner GKK einseitig eine Kassenplanstelle für eine Gynäkologin schaffen, wäre dies auch gleichzeitig ein Aufbrechen eines gemeinsamen und auf gesetzlichen Bestimmungen basierenden Vorganges, der auch das Ende eines der bewährtesten Versorgungsverfahrens - und dies in flächendeckender Weise (von Heiligenblut bis Lavamünd) - bedeuten würde.

GKK sorgt für Quote...

"Am Rande dürfen wir nur erwähnen, dass es jüngst bei der Nachbesetzung einer gynäkologischen Planstelle in Villach eine Frau die Erstgereihte gewesen ist, diese jedoch verzichtete", heißt es weiters. Abschließend wird zum Thema "Frauenfeindlichkeit" angemerkt, dass "wir als Kärntner Gebietskrankenkasse gerade im eigenen Wirkungsbereich von 59 ÄrztInnen 34 weibliche angestellt haben. Gerade wegen der Frauenorientierung wurde die Kärntner Gebietskrankenkasse von Ihrer Vorgängerin, Frau Minister Dr. Elisabeth Sickl, gewürdigt".

In einer den Offenen Brief begleitenden Aussendung verweist die Kasse darauf, dass für einen "Frauen-Punktebonus" Minister Haupt zuständig wäre. Von der Kärntner GKK könne dies "nicht einseitig vorgenommen werden". (APA/red)

Share if you care.