Drahtlose Funknetzwerke - Hit mit Risiken

17. Oktober 2002, 13:31
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Zwei Drittel aller WLANs sind in keinster Weise gegen fremde Zugriffe gesichert

Drahtlose Computernetzwerke sind ein Top-Thema auf der diesjährigen Computermesse Systems, doch ihre Sicherheitsprobleme werden von vielen Nutzern und Anbietern vernachlässigt. Die IT-Industrie sieht in der neuen Technik eine lukrative Zukunftsbranche, während die großen Telekommunikationsfirmen die Funknetzwerke mit dem künftigen UMTS-Mobilfunknetz verschmelzen wollen.

Enorme Wachstumsaussichten

Marktforscher prognostizieren den so genannten WLANs (wireless local area networks) enorme Wachstumsaussichten, da die Geräte vergleichsweise günstig und einfach zu installieren sind. Der Betrieb eines solchen Funknetzwerkes erfordert keine Lizenz und ist somit im Gegensatz zu UMTS kostenlos. Der für Ende 2002 angekündigte neue WLAN-Standard wird zudem nach Aussage von Experten für höhere Übertragungsraten und einem weiteren Preisverfall bei den Geräten sorgen.

Überfoderte User

Allerdings sind viele Nutzer mit der bereits existierenden Technik nach Expertenmeinung überfordert. Viele Anwender vernachlässigen die Sicherheitslücken des WLAN, so dass Eindringlinge häufig sehr leicht auf Datenklau gehen können.

BOOM

Einer Studie des Marktforschungsinstituts Gartner zufolge wird 2002 die Zahl der verkauften WLAN-Geräte gegenüber dem Vorjahr um 73 Prozent zulegen. Da insbesondere Geschäftsleute die neue Technik nutzen würden, werde sich bis Ende 2003 jedes zweite Firmen-Notebook drahtlos in Computernetzwerke einklinken können. Auf Grund der fallenden Preise würden immer mehr Firmen ihre stationären Netzwerke durch WLANs ersetzen. Gleichzeitig steige der Bedarf an so genannten "Hot Spots", die mit Hilfe der WLAN-Technik einen mobilen Internetzugang an öffentlichen Orten erlauben, hieß es.

Geringe Reichweite

Die Telekommunikationskonzerne arbeiten derzeit daran, die WLAN- mit der UMTS-Technik zu vereinen. "Auf Grund der geringen Reichweite von zirka 100 Metern ist WLAN eine stationäre Technik, die wir unseren Kunden als Abrundung des UMTS- Netzes auf Flughäfen oder in Hotels anbieten werden", sagt ein Sprecher der deutschen T-Mobile.

Ohne Schutz

Die künftigen UMTS-Netze werden WLANs in punkto Sicherheit allerdings weit überlegen sein. "Da die Signale von Funknetzwerken häufig in der gesamten Nachbarschaft zu empfangen sind, muss jeder Nutzer aktiv für Datensicherheit sorgen", sagt Hans-Joachim Bierschenk, Sprecher des IT-Branchenverbands Bitkom. Doch würden viele Nutzer häufig nicht einmal die von den WLAN-Herstellern mitgelieferten Sicherheitsprogramme aktivieren.

In keinster Weise gegen fremde Zugriffe gesichert

Zwei Drittel aller Funk-Netze sind nach Aussage von Ernst Ahlers, Redakteur bei der Computerzeitschrift c't, in keinster Weise gegen fremde Zugriffe gesichert. Eindringlinge könnten dann entweder auf Kosten anderer im Internet surfen oder sogar vertrauliche Daten ausspionieren. Selbst das derzeit favorisierte Verschlüsselungsverfahren sei bereits vor einem Jahr geknackt worden. Fazit: Wer auf Nummer sicher gehen will, muss wohl auch künftig Wände aufstemmen und Teppiche zerschneiden, um Kabel für ein althergebrachtes Netzwerk zu verlegen. (REuters/Peter Maushagen )

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