Generalstreik vor Kündigungswelle

18. Oktober 2002, 15:32
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Belegschaft: "Aktionäre müssen beweisen, dass sie an die Zukunft des Unternehmens glauben"

Rom - Ein Großteil der Belegschaft des krisengeschüttelten italienischen Autokonzerns Fiat ist am Freitag auf den Aufruf des Gewerkschaftsverbands CGIL zum Generalstreik gefolgt. Obwohl der Arbeitskampf ursprünglich gegen die Maßnahmen der Mitte-Rechts-Regierung zur Flexibilisierung des Arbeitsmarkts gerichtet war, ist der Generalstreik zu einer Aktion gegen die Kündigungswelle bei Fiat geworden. In mehreren italienischen Städten gab es heftige Proteste der Arbeitnehmer gegen die geplante Kündigung eines Viertels der Belegschaft.

Die Kündigung von rund 8.100 Personen gilt laut Fiat als unentbehrlicher Schritt, um die Kosten der Turiner Gruppe abzubauen und ihr neue Konkurrenzfähigkeit zu verleihen. Die Maßnahme wird von den Gewerkschaften heftig kritisiert. "Der Umstrukturierungsplan muss revidiert werden. Kein Unternehmen kann nach einem derart massiven Stellenabbau überleben. Die Unternehmerfamilie Agnelli (Mehrheitsaktionär des Konzerns, Anm.) muss beweisen, dass sie noch an die Zukunft der Gruppe glaubt", so CGIL-Chef Guglielmo Epifani, der einen Protestzug in Turin anführte.

"Direkter Staatlicher Einsatz"

Der Chef der italienischen Altkommunisten, Fausto Bertinotti, beteuerte die Notwendigkeit eines direkten staatlichen Einsatzes zur Rettung des maroden Unternehmens. "Entweder der Staat beteiligt sich an einer Sanierungsaktion, oder es wird zur Zerstückelung des Unternehmens keine Alternative geben", sagte Bertinotti, der von den Demonstranten in Turin umjubelt wurde.

Agnellis unter Druck

Unterdessen gerät die Familie Agnelli auch von anderer Seite stark unter Druck. "Es ist Zeit, dass das Fiat-Management zurücktritt. Die Fiat-Chefs haben eine Menge Geld auf Kosten der Belegschaft verdient und das Unternehmen am Rande des Kollapses geführt", betonte der Ex-Starermittler und Oppositionspolitiker Antonio Di Pietro.

Sorge löste am Freitag ein Bericht des britischen Wirtschaftsmagazins "The Economist" aus, wonach ein Verkauf der Autosparte des italienischen Konzerns an den amerikanischen Partner General Motors (GM) unvermeidbar sein. Laut "Economist" ist die Aussicht einer direkten Staatsbeteiligung an Fiat unrealistisch, da sich sowohl die EU, als auch die Gläubigerbanken dagegen wehren. Die einzige Lösung sei daher der Verkauf an die Amerikaner, die seit 2000 eine 20-prozentige Beteiligung am Konzern halten, schreibt die Zeitung. (APA)

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    foto:epa/zennaro
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