"Unsere Klestils": 7.000 Euro bedingte Strafe für Abtreibungsgerücht

17. Oktober 2002, 15:22
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Richter: "Die Frage einer Abtreibung hat mit dem öffentlichen Leben überhaupt nichts zu tun"

Wien - "Es kann nicht sein, dass es einen gläsernen Politiker gibt, der einfach Freiwild für jeden Buchautor ist", meinte Staatsanwalt Michael Klackl am Donnerstag, im Prozess gegen Ernst Hofbauer. Dieser hatte in seinem Buch "Unsere Klestils" ein altes Gerücht aufgegriffen, wonach Bundespräsident Thomas Klestil seine spätere zweite Ehefrau Margot Löffler-Klestil zu einer Abtreibung in die Niederlande geschickt haben soll. Deswegen wurde der 61-Jährige nun wegen übler Nachrede zu einer Geldbuße von 7.000 Euro (100 Tagessätze a 70 Euro) verurteilt, die ihm Richter Bruno Weis unter Setzung einer dreijährigen Probezeit bedingt nachsah.

Öffentliches Leben

"Die Frage einer Abtreibung hat mit dem öffentlichen Leben überhaupt nichts zu tun", stellte der Richter in der Urteilsbegründung fest. Die Verteidigung hatte damit argumentiert, auch der höchstpersönliche Lebensbereich des Staatsoberhaupts sei von öffentlichem Interesse und Klestil wäre von sich aus mit seinem Privatleben in die Öffentlichkeit gegangen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, Hofbauer bat um drei Tage Bedenkzeit.

Keine "Präsidentenbeleidigung" im Sinn

"Ich habe nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt", deponierte der Buchautor in seiner Einvernahme. Er habe alle Spielregeln der journalistischen Sorgfaltspflicht eingehalten. Seine "politische Absicht" sei es gewesen, "ein Gesamtbild darzustellen. Dafür bitte ich um Verständnis."

Ein altes Gerücht

Ursprünglich hätte sich die inkriminierte Passage gar nicht in seinem Manuskript gefunden, erläuterte der 61-Jährige: "Ich schwör's, sie war gar nicht drinnen!" Dann habe ihn allerdings ein Diplomat "auf die Geschichte aufmerksam gemacht": Richard Lugner habe doch seinerzeit im Präsidentschaftswahlkampf von der Abtreibung gesprochen. Er habe darauf diesbezüglich auch noch seine Verlegerin bei einer Journalistin recherchieren lassen und sich dann gedacht: "Okay, jetzt schreibst das", so Hofbauer.

Der Ibera-Verlag, bei dem "Unsere Klestils" erschienen ist, wurde bereits im vergangenen Juni zu einer Entschädigung in der Höhe von 20.000 Euro verurteilt, weil - so die damalige Begründung - der Bestseller die Persönlichkeitsrechte des Bundespräsidenten verletze. (APA)

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