Abkehr vom Katholizismus

17. Oktober 2002, 18:08
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Volkszählung: Personen "ohne Bekenntnis" bereits zweitstärkste Gruppe - Zahl der Muslime hat sich verdoppelt

Wien - Die Zahl der Katholiken nimmt in Österreich weiter ab. Machten bei der Volkszählung 1991 noch rund 78 Prozent ihr Kreuzerl bei "römisch-katholisch", waren es bei der Volkszählung 2001 nur mehr 73,6 Prozent. Auch die evangelische Kirche ist geschrumpft, sie bleibt aber weiterhin die zweitstärkste Religion vor dem Islam. Diese neuesten Daten der Volkszählung 2001 gab Johann Ladstätter von der Statistik Austria m Donnerstag bekannt. Die eigentlich zweitstärkste Gruppe ist aber mittlerweile die der Personen "ohne Bekenntnis" (12 Prozent).

In absoluten Zahlen leben 5,92 Millionen Katholiken in Österreich. Zehn Jahre zuvor waren es noch 6,08 Millionen. Mit dem Rückgang setzt sich ein jahrzehntelanger Trend fort. Vor 30 Jahren gaben noch 87,4 Prozent an, Katholiken zu sein. 1981 waren es immerhin noch 84,3 Prozent.

Protestanten bleiben Zweite

Die zweitgrößte Kirche bleibt weiterhin die evangelische. Ihre Anhängerschaft hat sich aber von 5,0 Prozent im Jahr 1991 auf nunmehr 4,7 Prozent verringert. Die Zahl der Muslime hat sich hingegen in der letzten Dekade mehr als verdoppelt. Sie stieg von 2 Prozent im Jahr 1991 auf 4,2 Prozent an, was 338.000 Personen entspricht. Den Anstieg bei den Muslimen führt Ladstätter auch auf die höhere Bekenntnisfreudigkeit bei den in Österreich lebenden Türken zurück.

An der nächsten Stelle stehen die Mitglieder einer der orthodoxen Kirchen (180.000 Personen, 2,2 Prozent). Die Mitgliederzahl der Israelitischen Kultusgemeinde liegt weiter bei 0,1 Prozent, was 8.140 Personen entspricht.

Fast eine Million o.B.

Stark angewachsen ist wieder einmal die Gruppe der Menschen "ohne Bekenntnis". Es handelt sich mittlerweile um fast eine Millionen Personen, was einem Anteil von 12 Prozent entspricht. Gegenüber 1991 (8,6 Prozent) ist diese Gruppe um fast die Hälfte angewachsen.

In Wien liegt der Katholikenanteil erstmals sogar unter 50 Prozent. Zehn Jahre zuvor lag er noch bei über 57 Prozent. 25,6 Prozent gaben in der Bundeshauptstadt an, ohne Bekenntnis zu sein. Die zweitstärkste Religion in Wien ist mit 7,8 Prozent der Islam. Der Rückgang bei den Katholiken sei aber nicht nur auf die Kirchenaustritte zurückzuführen, meinte Ladstätter. Auch der Zuzug aus dem Ausland spiele hier eine Rolle.

Wohnbevölkerung 1971 - 2001 nach der Religion (in Prozent)

Religion 1971 1981 1991 2001

Römisch-katholisch 87,4 84,3 77,9 73,6 Ohne Religionsbekenntnis 4,3 6,0 8,6 12,0 Evangelisch 6,0 5,6 5,0 4,7 Islamisch 0,3 1,0 2,0 4,2 Israelitisch 0,1 0,1 0,1 0,1 Andere 1,4 1,9 2,7 3,4 Ohne Angabe 0,6 1,0 3,6 2,0

Insgesamt 100,0 100,0 100,0 100,0

(APA)
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